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Von der Piazza del Duomo biegen Sie in die lebhafte Einkaufsstraße Via Torino ein (gleich an der Ecke das Marzipangeschäft der sizilianischen Brüder Freni), die das frühere Adelsviertel der Stadt durchschneidet. Im Zweiten Weltkrieg sind hier viele Paläste zerstört worden, und noch heute kann man Baulücken sehen. Zum Glück haben die Bomben die Kirche Santa Maria presso San Satiro verschont. Bilderschänder hatten im Ausgang des 15. Jhs. ein Marienfresko an der Straße Corsia della Palla (die heutige Via Torino) mit Steinen beworfen. Daraufhin sollen sich auf dem Antlitz der Madonna deutliche Blutspuren gezeigt haben. Herzog Gian Galeazzo Sforza ordnete den Bau einer Kirche für das Bild an. Dafür wurde eine ältere Anlage bis auf den Glockenturm und den karolingischen Grundbau abgerissen. Die aus den verschiedenen Baukörpern merkwürdig zusammengewürfelte Anlage sieht man sich am besten von außen an der Rückseite der Kirche Ecke Via Speronari/Via del Falcone an. Im kleinen Inneren (tgl. 7.30-11.30 und 15.30-18.30 Uhr) hat Bramante mit Hilfe eines optischen Tricks eine virtuelle Apsis für das Wunderbild der verletzten Maria geschaffen, die staunen macht.

Die Via Torino bietet mit vielen Schaufenstern Einblicke in die gegenwärtige Konsumwelt; die Bürgersteige sind jüngst verbreitert worden, damit man besser bummeln kann. Aber auch andere Einblicke sind möglich: Gleich links hinter San Satiro geht die Via Unione (ehemals Contrada dei Nobili) ab, deren noble Vergangenheit nur noch bei der Hausnummer 5 im Palazzo Erba-Odescalchi mit seinem arkadengesäumten Hof zu erahnen ist. Die Anlage, ursprünglich aus der Renaissance, wurde 1946-48 als Übergangslager für nord- und mitteleuropäische Juden genutzt, bevor sie auf dem Weg nach Palästina in die ihnen zugewiesen Häfen weiterzogen. Heute residiert die Polizei im Palazzo Erba-Odescalchi. Wenn Sie den Wachposten freundlich ansprechen, werden Sie eingelassen und können die manieristisch überhöhten Bögen im Hof und ein elliptisches Treppenhaus aus der Barockzeit bewundern. Nahe der Kreuzung zur Via Torino liegt links eine alte latteria (Milchhandlung), in der Sie mittags bis 15 Uhr (So geschl.) auch vegetarisch essen können.

Die Via Torino überquerend, erreichen Sie dann über die Piazza Santa Maria Beltrade mit dem schönen Straßencafé Bubolo Bar (Di geschl.) die Via Asole und links in die Via Cardinale Federico einbiegend an einer enoteca vorbei die Piazza San Sepolcro. Neben dem früheren Haupteingang der Biblioteca Ambrosiana steht die Kirche San Sepolcro (tgl. 12-14.30 Uhr), eine mittelalterliche Gründung eines Privatmannes, der bei den Kreuzzügen sein Glück gemacht hatte. Die Ambrosiana füllt das Gelände des antiken Forums, des wichtigsten Platzes des Imperiums, als Mailand als »Mediolanum« von 383 bis 404 Rom überflügelte und Hauptstadt des Weströmischen Reichs war.

Gegenüber steht ein fremd wirkender Betonturm mit einem Balkon neben den zarten Formen eines Rokokohauses. In diesem Haus, der Casa dei Castani, hatte der Verband der Händler und Kaufleute seinen Sitz, vor dessen Mitgliedern Benito Mussolini am 23. März 1919 die Gründung der »Fasci Italiani di Combattimento« bekannt gab - die Geburtsstunde der faschistischen Bewegung, deren Anhänger man daher zuerst auch Sansepolcristi nannte. Wenig später richteten sich die Faschisten in diesem Palazzo ein und zogen den Beton- und »Redeturm« (Torre Litoria) hoch. Auf dessen Balkon hatte der Duce später einen seiner letzten öffentlichen Auftritte.

In diesen Straßen sind erneut deutlich die Spuren zu sehen, die der Krieg hinterlassen hat. Neubauten, Ruinen von Geschlechtertürmen und durch die Jahrhunderte gewachsene Innenhöfe (so der Chiostro delle Umilate in der Via Cappuccio 7) bilden ein manchmal überraschendes Miteinander von Gegenwart und Vergangenheit. Von der Via Bollo aus und der »Cinque Vie« (»Kreuzung der fünf Straßen«) erreicht man links über die Via Santa Maria Podone die Piazza Borromeo. Die Piazza, die einst zum Privatbesitz der mächtigen Adelsfamilie gehörte, ist heute ein Garagendach, auf der Jugendliche Skateboard üben. Die Hauskirche der Familie, Santa Maria Podone, steht aber noch, neben sich ein kleines Denkmal des heiligen Carlo. Carlo Borromeo reformierte zum Ausgang des Tridentiner Konzils radikal die Mailänder Diözese, hielt sich die spanische Inquisition vom Hals, ersetzte sie durch eine eigene, »milderere«, und spendete in den Pestjahren 1576/77 tat- und wunderkräftig Hilfe. Auf der anderen Seite der Piazza liegt der inzwischen weit gehend umgebaute mittelalterliche Palazzo Borromeo.

Über die Via Borromei (sehr eng, vorsicht Autoverkehr) und die Via Santa Maria alla Porta erreichen Sie die Via Meravigli. An der Kreuzung liegt die Bar Marchesi (Mo geschl.), wo Sie sich stärken können. Mit der Tram 16 können Sie zur Piazza del Duomo (drei Haltestellen) zurückfahren.
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