24 Stunden in Bratislava
Bratislava liegt keine ganze Autostunde von Wien entfernt. Was vor dem Fall des Eisernen Vorhangs der Reise in eine fremde graue Welt entsprach, ist heute ein Ausflug in eine boomende mitteleuropäische Stadt mit hübschen Fußgängerzonen und Cafés. Bratislava ist ein bisschen wie Prag im Taschenformat - geradezu ideal für einen 24-Stunden-Kurztrip.
Beginne deine Entdeckungstour beim Slowakischen Nationaltheater. Das schmucke Konzerthaus sieht nicht nur aus wie eine kleine Kopie der Wiener Oper - es lockt auch tatsächlich viele österreichische Opern- und Operettenliebhaber über die nahe Grenze. Für dich tut es ein Blick auf die klassizistische Fassade auch (es sei denn, du hast dich um Karten für den Abend gekümmert). Vor dem Theater erstreckt sich außerdem ein schöner Platz mit Brunnen - von hier aus tauchst du direkt in die Cafés-gespickte Fußgängerzone des Stadtkerns ein (willst du vorher noch ein Schlumpf-blaues Kirchlein bewundern, musst du einen kleinen Abstecher machen - sieht man nicht alle Tage!).
Noch mehr klassizistischen Prunk bietet das weitläufige Primatenpalais. Als regelrechter Stilbaukasten - bis hin zu einem toskanisch anmutenden Renaissance-Innenhof - präsentiert sich das Alte Rathaus. Seine ältesten Teile stammen aber aus der Gotik (14. Jahrhundert). Der Bau beherbergt auch das Stadtmuseum und kann dir bei Interesse die Geschichte Bratislavas näherbringen.
Für den Fall, dass du die Lektion in Stadtkunde schwänzt, sei dir an dieser Stelle verraten, dass sich Bratislava einst Hauptstadt des Königreichs Ungarn nennen durfte. Der eng an die Stadtmauer gedrängte St.-Martins-Dom war mehrere Jahrhunderte die Krönungskathedrale ungarischer Könige - ein Umstand, dem er seine reiche barocke Ausstattung verdankt.
Zusammen mit der atemberaubend hässlichen Plattenbaufestung Petržalka am Rande Bratislavas gehört die Neue Brücke (Novy Most) über die Donau zu den auffälligsten Requisiten der kommunistischen Ära im Stadtbild. Man kann der (nachts auch noch grünlich beleuchteten) Raumschiff-Enterprise-Kommandobrücke hoch oben auf ihren Pfeilern aber einen gewissen Charme nicht absprechen. Darin untergebracht ist übrigens das Panoramarestaurant "UFO" - sehr retrofuturistisch.
Steige nun den Hügel zur Burg hinauf - das kantige Wahrzeichen der Stadt thront nicht nur über der Donau, sondern prangt auch auf den slowakischen 50-Cent-Münzen. Von hier aus hast du einen mindestens ebenso schönen Blick auf Bratislava wie aus dem Fenster des Ufos (Petržalka inklusive).
Gehe nun zurück in die Altstadt und begib dich auf die Michalska - eine beliebte Einkaufsstraße. In der trendigen Čokoládovňa-Schokobar kannst du deine Zucker- oder Koffeinreserven wiederauffüllen. Einmal durchs Michaelertor spaziert - ein weiteres Wahrzeichen der Stadt - triffst du mit dem Restaurant Prašná bašta auf eine gute Gelegenheit, auch richtig was zu essen, darunter reichlich slowakische Schmankerln.
Das Prašná bašta ist auch nicht der schlechteste Ort, um in den Abend zu starten (sollte dir noch Zeit bleiben, kannst du davor dem Nationaldenkmal Slavin einen Besuch abstatten). Bratislava ist mittlerweile bekannt für seine lebhafte Ausgehszene. In Punkto Live-Musik ist der Babylon-Club die erste Adresse der Stadt - doch verwechsle ihn nicht mit einem gleichnamigen Rotlicht-Etablissement.