24 Stunden in Frankfurt
Kaum zu glauben, was aus Goethes Heimatstadt geworden ist. Klar spielt die Main-Metropole während ihrer alljährigen Buchmesse nach wie vor die erste Geige in der Literaturwelt. Doch steht dieses Konzert ganz klar im Zeichen von Business, genauso wie Frankfurts Skyline eher an New York als eine traditionsreiche deutsche Stadt erinnert. Und dennoch gibt es sie auch - die Altstadtgässchen und Apfelweingärten, in denen man sich plötzlich in ein Dorf zurückversetzt fühlt - mitten in "Mainhattan". Einem spannenden Kurztrip steht da nichts im Wege!
Beginn deinen Spaziergang am besten am Eisernen Steg - einer Fußgängerbrücke, die Frankfurts Bürger im 19. Jahrhundert selbst finanzierten, um danach Übergangswilligen Brückenzoll abzuknöpfen (keine Sorge, das hat sich mittlerweile erübrigt). Willkommen in der Stadt der Geschäftemacherei!
Zieh weiter auf den Römerberg, das mittelalterlich anmutende Herzstück der Altstadt. Im 16. Jahrhundert wurde der Römerberg als einer der schönsten Marktplätze Deutschlands gehandelt - zu Recht, sieht man sich die prachtvollen Reihen von (renovierten) Fachwerkhäusern an. Nur beim kulinarischen Angebot gibt es mittlerweile klare Abstriche: im Gegensatz zu früher sprudelt heute kein Wein mehr aus dem Gerechtigkeitsbrunnen in der Mitte.
Der Römer selbst – das historische Rathaus der Stadt - wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und Anfang der 1950er wiederaufgebaut. An seiner Rückseite, im Römerhöfchen, wirst du eine bedachte Treppenspindel entdecken - eines der ganz wenigen Überbleibsel Frankfurter Renaissance-Baukunst!
Weiter geht's zum backsteinroten Dom, der seinen Beinamen ("Kaiserdom") der Tatsache verdankt, dass in ihm immerhin zehn deutsche Kaiser gekrönt wurden. Schreckst du vor einer anderen Zahl - 332 - nicht zurück, kannst du dich fast schon zum Sightseeing-König krönen. So viele Stufen sind es nämlich bis zur tollen Aussicht von der Spitze des Domturms.
Die folgende Kehrtwende zahlt sich aus - vor allem, wenn du dich zum Aufladen deiner Reserven gezwungen siehst. Das geht nämlich nirgendwo besser als im Eichkatzerl, einer Wirtschaft mit 150-jähriger Tradition und beachtlichen Portionen Frankfurter Schmankerln.
Der Bürohaus-Dschungel ist schon in Sichtweite, doch bevor es mitten ins Herz des Kapitalismus geht, bietet sich nochmals Gelegenheit für eine satte Portion Kultur. Hans Holleins Bau des Museums für moderne Kunst ist schon für sich eine Sehenswürdigkeit - im Inneren findest du eine Fülle an 60ies Art und zeitgenössischer Kunst.
In Goethes (wiederaufgebautem) Geburtshaus hingegen steht im Großen und Ganzen nur ein Schreibtisch - doch was für einer. Werkte darauf doch niemand geringerer als Deutschlands größter Dichterfürst. Das benachbarte Goethemuseum birgt weitere Schaustücke aus der Zeit, als noch mit Feder und Tinte gekritzelt wurde.
Für die Börse trifft das eher nicht mehr zu - überprüfen kannst du das übrigens selber montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr. Dann nämlich gewährt Frankfurts "Kapitalistendom" Schaulustigen Einblick in sein hektisches Treiben.
Im Bankenviertel schließlich ist das Wall Street-Feeling perfekt. Aus der Business-Skyline Frankfurts ragt mit dem Commerzbankbau von Sir Norman Foster sogar Europas (noch) höchster Wolkenkratzer (300 Meter mit Antenne). Die bisher einzige Besucherplattform befindet sich im Main Tower auf 200 Meter Höhe.
Hast du genug von Glas und Stahlbeton, machst du einen Abstecher zum Palmengarten (U 6/7 Palmengarten). Ganz stimmt das allerdings auch nicht, denn der historische Bau präsentiert sich ebenfalls als Glas-Eisen-Konstruktion. Im Inneren aber streifst du durch einen regelrechten tropischen Dschungel. Oder darf’s doch lieber ein Feng-Shui-Paradies sein? Selbiges findest du im Chinesischen Garten (U 4 Merianplatz).
Hast du mittags das Eichkatzerl ausgelassen, kannst du jetzt im (urigen) "Zur Sonne" ordentlich heimisches Essen hamstern - einer der schönsten Apfelweingärten der Stadt.
Das Ende deiner Städtereise ist das noch nicht, denn die Nächte in Frankfurt sind lang, und das Ausgeh-Angebot vielfältig (siehe z.B. http://frankfurt.nachtagenten.de). Da muss es auch nicht unbedingt das Cocoon - legendärer Partytempel der Frankfurter Techno-Legende Sven Väth - werden. Im Zweifelsfall spricht aber nichts dagegen.
Tipp: Im November oder Dezember findet alljährlich die "Nacht der Clubs" statt - soll heißen: einmal zahlen und in mehr als 20 Locations feiern. http://www.nacht-der-clubs.de