24 Stunden in Mailand
Wenn Rom wie ein riesiges Freiluft-Museum wirkt, dann ist Mailand ein enormer Open-Air-Laufsteg. Hier wird nicht wie andernorts in Italien dem Genuss gefrönt, hier wird der Erfolg zur Schau gestellt – und zwar so stilsicher, dass es eine Augenweide ist. Neben Mode, Models und Motoren bietet Mailand aber auch dem Kultur-Interessierten wahre Schätze, wie eine kurze Tour durch die Stadt zeigt.
Wer morgens am Flughafen Malpensa landet, nimmt am besten den „Malpensa Express“-Zug zum Bahnhof Cadorna. Von dort lässt sich das „Centro Storico“, das historische Zentrum, gut zu Fuß oder per U-Bahn erforschen. (Von Taxis sei dringend abgeraten, sie sind rollende Raubritter.)
Am Weg zum ersten Ziel, dem Mailänder Dom, gibt es zahlreiche Gelegenheiten zu einem typisch italienischen Stehfrühstrück mit Cappuccino, Schoko-Croissant und „Spremuta“ – frisch gepresstem Orangensaft. Der weiße Dom und sein riesiger Vorplatz sind schon von unten beeindruckend, von seinem Dach bietet sich ein herrlicher Ausblick über das ganze Zentrum.
Gleich am Domplatz findet sich auch die „Galleria Vittorio Emmanuele II“, ein prunkvoller Einkaufstempel mit Kuppeldach, der Modegeschäfte, Buchläden und Restaurants beherbergt. Von der Galleria geht es zur weltbekannten Oper Mailands, „La Scala“ – vielleicht lassen sich ja noch ein paar Karten für eine Abendvorstellung ergattern. Nur wenige Ecken weiter beginnt die Via Montenapoleone, die einen Blick in Mailands Seele offenbart: Im engen Gässchen reiht sich Luxus-Boutique an Luxus-Boutique, von Dolce-Gabbana über Gucci bis Armani, für Normalsterbliche unerschwinglich, aber den Besuch wert.
Kunst-Fans werden von der nahe gelegenen „Pinacoteca die Brera“, eine der wertvollsten Gemäldesammlungen Italiens mit Bildern von Caravaggio und Co., freilich mehr begeistert sein. Auch Mailands Burg, das Castello Sforzesco mit seinem Park und seinen Museen, weiß zu beeindrucken.
Nach so viel Fußmarsch hat sich der Besucher erst einmal einen Teller Pasta in einer Trattoria am Weg verdient – und vor allem ein Gelato im „Chocolat“: Unweit des Castello laden Schokolade-Eissorten in ungeahntem Variantenreichtum zum gemeinsamen Dahinschmelzen ein. Beschwingt vom Schokolode-High geht es dann weiter zum „Cenacolo Vinciano“, dem weltberühmten „Abendmahl“-Gemälde von Leonardo da Vinci (Besichtigung nur mit Voranmeldung) oder zu einer Reise in die Vergangenheit: Die frühchristliche „Sant’ Ambrogio“-Kirche stammt aus dem fünften Jahrhundert und ist absolut sehenswert.
Das Highlight eines Tages in Mailand ist freilich die „Aperitivo“-Stunde: Am frühen Abend versammeln sich die Mailänder zwischen 20 und 40 Jahren in und vor den Bars der Stadt, um leichte Campari-Drinks oder gespritzten Wein zu trinken; dazu gibt es gratis Antipasti vom Buffet. Die Bars sind an der Menschentraube davor zur erkennen, zum Beispiel in der Umgebung der Porta Ticinese.
Von dort sind es auch nur ein paar Meter zu den Navigli, zwei kleinen Kanälen, an deren Ufern zahlreiche Restaurants zum Abendessen laden. Wer anschließend noch Energie hat, stürzt sich ins Nachtleben rund um die Porta Ticinese – oder besucht sogar einen der Mailänder Clubs, wie das unkonventionelle Plastic oder die schicken Clubs im Parco Sempione hinter dem Castello.