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Die Elisabethstadt: Entdeckungen im jüdischen Viertel

erstellt von MarcoPolo-partner am 2015-12-17

Die Elisabethstadt: Entdeckungen im jüdischen Viertel

Budapests Viertel Zsidónegyed, das jüdische Viertel, hat sich zu einem absoluten Trendbezirk entwickelt. Mancherorts liegen Verfall und neuer Glanz noch dicht beieinander, doch mit jedem Jahr wird die Szene bunter und lebendiger. Luxus in Gestalt neuer schicker Hotels, feiner Läden, Restaurants und Bars ist ebenso vertreten wie eine junge alternative Szene. Dauer des Spaziergangs: eine Stunde.

Der Spaziergang durch das jüdische Viertel beginnt am religiösen Zentrum der jüdischen Gemeinde, der Synagoge in der Dohány utca, die 1859 feierlich eingeweiht wurde.

Anfang des 20. Jhs. lebten in Budapest etwa 170 000 Juden. Ihr Anteil an der Bevölkerung stieg in den Jahren von 1872 bis 1900 wegen des weltoffenen Klimas der Stadt von 16 auf 21,5 Prozent. 1939 wurden etwa 200 000 Juden gezählt. Orthodoxe Gläubige waren in Budapest immer nur eine kleine Minderheit, etwas wie ein Schtetl – ein Viertel, in dem ausschließlich nach jüdischen Traditionen gelebt wurde – hat sich nie entwickelt. Die große Mehrheit der Juden war liberal und versteht sich bis heute als Teil der ungarischen Bevölkerung.

Ende 1944 wurde die Elisabethstadt, von der Umgebung durch eine Mauer abgeriegelt, zum Ghetto und für Tausende der eingeschlossenen Juden zum Grab. Der Holocaust brachte insgesamt 600 000 ungarischen Juden den Tod. An diese Verbrechen gemahnt das Holocaust-Erinnerungszentrum.

Heute leben etwa 80 000 Juden in Budapest, die meisten wohnen über das gesamte Stadtgebiet verstreut. Die Elisabethstadt war und ist jedoch ein Viertel, in dem jüdisches Leben zahlreiche Spuren hinterlassen hat und in dem – zuerst nach dem Grauen der Naziherrschaft, dann nach der Wende von 1989 – wieder jüdische Religion und Traditionen gelebt werden. Der Antisemitismus hat in Ungarn im Vergleich zum ersten Jahrzehnt nach der Wende leider spürbar zugenommen.

Die grundlegende Renovierung der Synagoge in der Dohány-Straße wurde vor allem durch eine Stiftung des amerikanischen Schauspielers Tony Curtis ermöglicht. Sein Vater Emanuel war ein jüdischer Emigrant aus Ungarn. In einem Seitenflügel der Synagoge ist das Jüdische Museum mit seiner umfangreichen Sammlung untergebracht.

Von der Synagoge (Herzl-Platz) aus geht es in die Wesselényi utca. Auch wer das Gotteshaus nicht im Rahmen einer Führung besichtigt hat, sieht von der Straße aus rechts das Holocaust-Denkmal des Künstlers Imre Varga, eine silbern schimmernde Skulptur. Sie steht über Massengräbern und stellt eine Trauerweide dar, auf deren Blättern die Namen der Opfer stehen. Zu sehen sind auch Gedenksteine zur Erinnerung an die im Ghetto gestorbenen und ermordeten Juden.

Wenn Sie die Straße weiter hinuntergehen, passieren Sie unter anderem jüdische Geschäfte und Cafés. Schließlich erreichen Sie die Kazinczy utca, die in den letzten Jahren als „Kulturstraße“ verkehrsberuhigt wurde. Zur Rechten liegt die Ruinenkneipe Szimpla kert, und zur Linken treffen Sie auf die hervorragend renovierte Orthodoxe Synagoge (Nr. 27–29), die in einem Gebäudekomplex liegt, der sich bis zur Dob utca erstreckt. In diesem Bereich tummeln sich die Restaurants, Cafés und Kneipen. Auf der Dob utca zeigt der Blick nach links die Straße hinunter einige noch weitgehend unrenovierte Gebäude mit einer Reihe koscherer Geschäfte. Nach rechts, zum Klauzál tér hin, wurde schon mehr renoviert.

Der Spaziergang führt nun von der Dob utca weiter nach links in die Csányi utca. An dem großartigen Eckpalais links zur Király utca (OTP-Bank) hängt eine Tafel. Sie besagt, dass der frühere Besitzer, ein Fabrikant, in diesem Gebäude mehr als 100 Juden versteckt gehalten und dadurch gerettet hat. An dem Platz gegenüber steht die Theresienstädter Pfarrkirche von 1801. Den Turm errichtete 1871 der Architekt Miklós Ybl.

Wenn Sie nun in südlicher Richtung in die Király utca gehen, sind Sie mittendrin in einem faszinierenden Sanierungsprozess. Im unteren Teil der Straße, vom Deák Ferenc tér an, geben Designläden wie Goa (Nr. 21), der Blumen- und Dekoshop Arioso (Nr. 9) oder die schicke Restaurantbar Noir et l'Or (Nr. 17) den Ton an.

Nach langen Jahren des Verfalls erstrahlt der wunderbare Gebäudekomplex mit der Hausnummer 13, der Gozsdu-Hof, nun wieder in wunderbarem Glanz. Seine Wiederauferstehung als Luxuskomplex mit Geschäften und teuren Wohnungen steht in krassem Kontrast zu seiner Vergangenheit. Der Gozsdu-Hof wurde im 19. Jh. von einem reichen Mäzen als Wohnheim für orthodoxe rumänische Studenten geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg regierte hier der Terror: Die beiden Zugänge wurden gewaltsam versperrt, sodass der größte Teil der Bewohner elend verhungerte.

Biegen Sie nun von der Király utca nach links in die Rumbach Sebestyén utca ab. Nach wenigen Schritten haben Sie rechts, durch einen Torbogen hindurch, einen tollen Blick nach Buda zur Zitadelle auf dem Hügel. Die Rumbach-Synagoge wurde 1872 von dem Wiener Architekten Otto Wagner im romanisch-maurischen Stil gebaut; sie ist noch ziemlich renovierungsbedürftig. Noch ist in dieser Straße einiges zu tun; so besteht z. B. noch eine Baulücke, die vorübergehend als Parkplatz genutzt wird.

Wenn Sie schließlich von der Rumbach-Straße rechts in die Dob utca gehen und dann nach links abbiegen, kommen Sie wieder zum Ausgangspunkt dieses Spaziergangs zurück.

  • 1
    Große Synagoge

    14 Stimmen

    Sehenswürdigkeit

    Die Große Synagoge (ungarisch: nagy zsinagóga) in der Dohány utca, deutsch Tabakgasse, deshalb au...

  • 2
    Holokauszt Emlékközpont

    2 Stimmen

    Museum / Galerie

    Das Dokumentationszentrum Holokauszt Emlékközpont in Budapest, auch analog zum amerikanischen Nam...

  • 3
    Zsidó Múzeum

    0 Stimmen

    Museum / Galerie

  • 4
    Wesselényi utca

    0 Stimmen

    Sehenswürdigkeit

  • 5
    Szimpla kert

    0 Stimmen

    Bar

  • 6
    Dob utca

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    Sehenswürdigkeit

  • 7
    Csányi utca

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    Sehenswürdigkeit

  • 8
    Avilai Nagy Szent Teréz Plébániatemplom

    0 Stimmen

    Sehenswürdigkeit

  • 9
    Király utca

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    Sehenswürdigkeit

  • 10
    Goa

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    Geschäft

  • 11
    Arioso

    0 Stimmen

    Geschäft

  • 13
    Gozsdu udvar

    2 Stimmen

    Sehenswürdigkeit

  • 14
    Rumbach Sebestyén utca

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    Sehenswürdigkeit

  • 15
    Synagoge (Rumbach utca)

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    Sehenswürdigkeit

    Die ehemalige Synagoge der konservativen Status-quo-ante-Gemeinde befindet sich in der Rumbach ut...

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