Zwischen Bergen und dem anbrandenden Ozean liegen Bananenplantagen und quirlige Orte
Man ist versucht, sich zu zwicken und zu fragen, ist das noch dieselbe Insel, auf der ich vor weniger als einer Stunde aufbrach? Keine blanken Felsen mehr, keine trockenen Böden, die Sonne kommt nur noch schwer durch Wolken und Dunst. Verschwunden ist die Wärme.
Wer Las Palmas hinter sich gelassen hat, lernt die Passatwinde meist umgehend kennen. Sie segeln auf die Cumbre zu, bleiben an ihr hängen und kommen nicht weiter. Die Folge: Die Erde dörrt nicht aus, die Vegetation sprießt. Das milde Klima kommt der Landwirtschaft zugute. Felder überall: Avocados, Zitrusfrüchte, Mispeln, Guaven; aber vor allem Bananen, so weit das Auge reicht.
Außerdem fällt die Zersiedlung der Küste auf; wo Platz ist, dehnen sich die Orte aus. Strände fehlen fast völlig, dafür tost das Meer machtvoll gegen die steinigen Ufer, die weiße Gischt zieht mit feinem Strich die Küste nach. Die Barrancos sind weniger erhaben als im kahlen Süden. Auf kleinen Plateaus in den Vorbergen stehen Bienenkörbe, Tauben werden gezüchtet. Auf jedem Absatz ein Terrassenfeld, in dem die Menschen in Handarbeit ihrer Arbeit nachgehen: Setzlinge pflanzen, Kartoffeln ernten, hacken. Alles wirkt so, als wäre es schon immer so gewesen.
Städtisches Leben spürt man, außer in Telde, eigentlich nur in Gáldar und Guía, Orte, die schon fast zusammengewachsen sind und nur durch die Autostraße zwischen ihnen auf Distanz gebracht werden. Und spätestens nach Agaete ist es mit der Urbanität schon wieder vorbei. Wer sich nach Süden auf die 40 km lange Serpentinenstrecke nach San Nicolás begibt, wird in der lebensfeindlichen Umgebung der Steilküste bald den Eindruck haben, wieder in eine zuvor unbekannte Welt einzutauchen.


