The Taste of Scotland
In Schottland beginnt man den Tag mit einem kräftigen Frühstück. Dazu darf auch kipper gehören, geräucherter Hering, oder haddock, Schellfisch. Nicht fehlen wird Haferbrei, porridge, oder oatcake, ein kräftiger Haferkuchen, der am besten auf Orkney gemacht wird.
Wer in Hotels übernachtet, darf auf das continental breakfast ausweichen. Selbst in vielen bed & breakfasts kommt inzwischen eine abgespeckte Frühstücksauswahl auf den Tisch.
Das schottische Mittagessen besteht dagegen nur aus einer kleinen Zwischenmahlzeit, z.B. einem Sandwich. Fast immer lohnt sich die hausgemachte Suppe in einem Pub. Oder versuchen Sie ruhig mal fish & chips aus dem Zeitungspapier!
Gemütlich wird's am Nachmittag beim traditionellen Highlight der schottischen Küche, dem High Tea zwischen 16 und 17 Uhr. Das ist kein zartes Tässchen grünen Tees mit Keks, sondern eine fast opulent zu nennende Mahlzeit. Zum Tee werden Sandwiches oder scones gereicht, kleine Teigteilchen, die mit Konfitüre und Sahne genossen werden. Sollte man sich später zu einem Dinner treffen (ab etwa 19 Uhr), müsste es am besten aus den Produkten der Insel bestehen, denn Schottlands Küche ist im Aufwind.
Jahrelang hatte sie mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen. Und tatsächlich stopfen etliche Schotten gedankenlos Cholesterin-Rekordwerte in sich hinein, beginnend mit dem mächtigen Scottish breakfast. Wirtschaftswachstum und ein florierender Tourismus in den Städten haben inzwischen jedoch für die Erweiterung des kulinarischen Angebots gesorgt. In Glasgow und Edinburgh gibt es von Sushi über Mexikanisch bis Vegetarisch alles - die wohlhabende Mittelschicht hat die gesunde und mediterrane Kost für sich entdeckt. Schicke italienische Restaurants sind abends garantiert voll, und in den Städten gibt es viele Delikatessgeschäfte, die schottischen Lachs neben italienischem Parmaschinken und Balsamico-Essig anbieten. Auch die normalen fish & chips-Buden sind noch im Kurs, man findet sie jedoch eher in kleineren Städten.
Die typisch schottische Küche? Sie hat sich ebenfalls positiv verändert. Der Grund dafür ist eine Rückbesinnung auf die hochwertigen Produkte aus dem eigenen Land. Einen Anstoß für die neue Kreativität am Herd gab u.a. Claire MacDonald. Sie tritt nicht nur im Fernsehen auf, sondern hat auch zahlreiche populäre Kochbücher verfasst. Schon lange bevor sich andere Köche zu den lokalen Produkten bekannten, plädierte sie für Pilze aus den Wäldern bei Kingussie und Rindfleisch aus den Highlands, propagierte das Fleisch der Aberdeen-Angusrinder, trat für Galloways, Longhorn, Shorthorn und Highland Cattle ein.
Seit der Rückbesinnung auf regionale Produkte braucht sich die schottische Küche nicht mehr zu verstecken. Das Lokal The Peat Inn auf der Halbinsel Fife wurde gar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet; die Loch Fyne Oyster Bar , deren Stammhaus in Cairndow über eine eigene Austernzucht und eine eigene Fischräucherei verfügt, hat inzwischen landesweit mehr als 20 Filialen, und auch die Restaurants in Edinburgh und Glasgow werden von exzellenten Küchenchefs geführt, sind aber im Vergleich zu Europa teuer. Wer in Schottland genießen möchte, darf nicht in den sprichwörtlichen Geiz verfallen: Ein Menu ist hier rund 30 Prozent teurer als ein vergleichbares in Kontinentaleuropa.
Eine Spezialität der schottischen Küche ist Fisch. Auf einer Reise entlang der Ostküste stößt man immer wieder auf kleine Orte wie Arbroath. Da riecht es nach Holzkohle und Meer, im Hafen sind Fischkutter verankert, und Hummerfallen liegen am Pier. In den Räuchereien gibt es Heilbutt und Lachs, frisch gefangen, dann im Rauch gegart: köstlich! Die meisten Köche bevorzugen allerdings den Fisch von der Westküste. Hier ist die See sauberer, Hummer und Schalentiere haben eine hohe Qualität.
Was Schottland noch zum Glück fehlt, ist Wein. Die Kellermeister halten sich zwangsläufig an die internationale Auswahl aus Italien, Spanien, Südafrika oder Kalifornien - und natürlich aus Frankreich, denn in Leith, dem Hafen von Edinburgh, kamen seit jeher die besten Gewächse aus der Gegend um Bordeaux an.
Dazu passt auch ausgezeichnet ein Käse - und da darf es schottischer sein. Da gibt es z.B. den Lanark blue. Er sieht aus wie ein Gorgonzola: cremig-weiß mit bläulichen Einsprengseln. Er wird aus Schafsmilch hergestellt und stammt aus der Borders-Region. Nicht zu vergessen der White Diamond aus Galloway, ein Frischkäse, zart und mild und wunderbar zu Erdbeeren geeignet.