Kulinarische Vielfalt
Als es Napoleon nicht gelang, die Insel einzunehmen, bezeichnete er die Briten verächtlich als eine „Nation von Ladenbesitzern“. Würde der Imperator heute vorbeischauen, würde er sicherlich zu dem Schluss kommen, dass die Briten ein Volk von Curryhausbesitzern sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Inder als willkommene Arbeitskräfte ins Land. Dort fanden sie eine Gewürzwüste vor und importierten kurzerhand ihre heimischen Zutaten. Inzwischen ist die Insel „bekehrt“. Nicht Fish & Chips, sondern Curry wird von vielen als Lieblingsgericht angegeben: Chicken tikka masala (Huhn in scharfer Sauce) - die Nummer eins unter den Currys - gefolgt von dem milderen korma (mit Kokos) und extrascharfen vindaloo. Trotzdem ist natürlich Fish & Chips, also paniertes Fischfilet mit Pommes, weiterhin sehr beliebt, vor allem im Norden Englands, wo sich unter der Panade meistens Schellfisch verbirgt. Das Angebot an Meeresfrüchten und Fisch wird immer besser. Geräucherte Fischsorten, Austern aus heimischen Gewässern, Hummer und Krebsfleisch genießt man natürlich am besten in Küstennähe.
Eine andere sehr englische, genauer kornische Spezialität ist Cornish pasty. Es heißt, dass die Bergarbeiter die gefüllte Blätterteigpastete als Mittagessen in das Bergwerk nahmen, doch lediglich die Füllung aßen und den Teig für die Zwerge unter Tage als Dank liegen ließen. Früher wurde vor allem roher Fisch eingebacken, heute werden über 20 verschiedene Variationen verkauft, meistens ist Fleisch mit Kartoffeln und Gemüse in der Pastete.
Mittlerweile wird es sich herumgesprochen haben, dass die lange Zeit kränkelnde englische Küche in den letzten Jahren revolutioniert worden ist. Die Gastronomie in London kann es inzwischen mit der in New York und Paris aufnehmen. Doch nicht nur in London gibt es Restaurants auf hohem Niveau, kulinarisch verwöhnt wird man auch in Manchester, Liverpool oder selbst in ganz kleinen Orten wie Padstow.
Gut und authentisch ist die ethnische Küche dort, wo Einwanderer leben, d.h. vor allem in den Großstädten. Einfach alle Länder sind in England vertreten - von Afghanistan bis Vietnam. Um sicherzugehen, gute Küche zu bekommen - denn bis zum allerletzten Ort ist die kulinarische Revolution natürlich noch nicht vorgedrungen -, sollten Sie sich den Good Food Guide England kaufen. Und noch eines: Obwohl es allein in London 8000 Restaurants geben soll, empfiehlt es sich, den Tisch für den Abend telefonisch zu reservieren. Die Öffnungszeiten der Restaurants sind recht individuell. Es ist ratsam, anzurufen. Viele der besseren Lokale haben am Sonntag und Montag geschlossen. Außerhalb der Großstädte, vor allem sonntags, schließen Gaststätten oft überraschend früh. Man sollte sich bis 20 Uhr einen Tisch gesichert haben. Mittags werden in vielen Lokalen keine Bestellungen nach 14 Uhr entgegengenommen.
Die Briten wissen, dass sie mit ihrer Küche viele Jahre hindurch wenig zu bieten hatten, doch haben sie immer einen hervorragenden Standard gehalten: bei den Nachtischen, den puddings. Die Bezeichnung pudding hat übrigens nichts mit dem deutschen Pudding zu tun, sondern ist eher ein Sammelbegriff für Nachspeisen, die an Aufläufe erinnern.
Die Restaurantpreise sind auf der Insel ausgesprochen hoch. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, die Rechnung niedriger zu halten. Meist liegen die Mittagspreise weit unter denen am Abend. Auch werden dann Menüs angeboten, die wesentlich billiger sind als à la carte.
Die Speisekarte (menu) ist normalerweise in kalte und warme Vorspeisen (starter), Hauptgerichte (main dishes) und Nachspeisen (desserts) unterteilt. Das ist einfach. Nicht so einfach ist es manchmal auszurechnen, was Sie letztendlich zahlen werden. In manchen Restaurants müssen Sie zusätzlich zum eigentlichen Preis die Mehrwertsteuer von 17,5 % einrechnen, in anderen wird pro Rechnung (bill) eine service charge von 12,5 % hinzugezählt. In dem Fall brauchen Sie dann jedoch kein Trinkgeld mehr zu geben, das sich normalerweise zwischen 10 und 15 % bewegt. Kein Trinkgeld wird in den Pubs gegeben. Der Kunde holt sich dort alles am Tresen. Noch ein Wort zum Bier. Ausgeschenkt wird es in pints (0,568 l). Das Bier wird unterschieden in lager (Helles) und bitter (Dunkles). Ein stärkeres Dunkelbier heißt stout. In vielen kleinen Orten wird real ale - das wahre Bier - verkauft, das fast gar nicht mit Kohlensäure versetzt ist, sodass es zum Zapfen mit der Hand gepumpt wird.