Am Saigon River brodelt das Leben, das Mekongdelta ist die Reiskammer Vietnams
Frühmorgens ist er am schönsten, kurz nach 6 Uhr, wenn die Sonne über dem riesigen, dunsttrüben Flussdelta aufsteigt: der Mekong, die Lebensader des Südens, der mit insgesamt neun Seitenarmen, den „neun Drachen“, ins Meer mündet.
Unter dem Tremolo der Bootsmotoren erwacht Vietnam: Die Fischer in Chau Doc füttern die Welse in den Fischfarmen, in den winzigen Restaurants schwatzen die Menschen bei der Morgensuppe und einem Tee oder duftendem ca phe, und in der Reisnudelfabrik von Can Tho werden die dieselgetriebenen Rührgeräte hochgefahren. Auf dem Cai-Rang-Markt wechseln Früchte und Gemüse ebenso den Besitzer wie Draht und Holzstäbe - von Boot zu Boot wird auf dem „schwimmenden Markt“ gehandelt. Hier unten, am Mekong, ist das Leben ein langer, großer Fluss.
Wer bei einer Fahrt durch den Süden den Eindruck bekommt, auffallend wenige Plakate mit sozialistischen Parolen am Wegesrand zu sehen und viele junge Geschäftsmänner zu erleben, denen die Dollarzeichen förmlich in den Augen zu stehen scheinen, liegt richtig. Hier konnten „kapitalistische“ Ideen nie ganz verschwinden. Denn im Zweifelsfall, so heißt es, ist Hanoi sehr weit weg. So sind Saigon und die Umgebung jetzt der Motor einer zweiten, klammheimlichen, aber sichtbaren Revolution - die der städtischen Schickeria, einer kleinen, reichen Oberschicht.
An den puderweichen Stränden in Nha Trang, Phan Thiet, Mui Ne oder auf der Insel Phu Quoc fühlt man sich wie in der Karibik, so wunderschön sind die Ensembles aus feinem Sand, kristallklarem Meer und wippenden Kokospalmen. Laissez-faire und Tropenzauber - das ist der Süden Vietnams.
