Das vergessene Paradies. Eine kleine Insel, auf der die Zeit stehen geblieben scheint
Der Küste vorgelagert liegt im äußersten Norden Kenias, nahe der Grenze zu Somalia, eine Inselgruppe. Die drei größten Inseln heißen Lamu, Pate und Manda.
Weiße Minarette, von denen der Muezzin zum Gebet ruft, ein Labyrinth verwinkelter Gassen, Frauen, die zum Markt gehen, in lange, schwarze Gewänder gekleidet. Vor den weiß gekalkten Häusern sitzen die Männer im Kanzu, einem bis auf die Knöchel reichenden Gewand, das Moslem-Käppi auf dem Kopf. Es scheint, als hätten sie immer Zeit. Sie schlürfen ihren Tee, unterhalten sich, beobachten die Vorübergehenden.
Lamu, ein orientalisches Idyll in Afrika. Wenn auch ein Idyll mit Schönheitsfehlern. Berge von Abfall und Unrat faulen in der feuchten Hitze. Das Abwassersystem ist überaltert, wurde es doch gebaut für die Anforderungen eines anderen, des 14. Jhs., der Gründungszeit der Stadt.
Lamus Charme will entdeckt werden. Abgesehen von einem Landrover, der dem District Commissioner gehört, gibt es auf der ganzen Insel kein Auto. Einzige Transportmittel sind unzählige Esel - und die Dhaus, die arabischen Segelschiffe mit dem typischen Dreieckssegel. Nach wie vor kreuzen sie im Hafen, bringen Treibstoff, Getränke und Lebensmittel vom Festland.
Lamu war einst eine der reichsten Handelsstädte der Küste, ihre Blütezeit lag im 19.Jh., als unter der Herrschaft der Omani der Handel mit Elfenbein und Sklaven seinen Höhepunkt erreichte. Danach, mit dem Verbot des Sklavenhandels, verfiel die Stadt in einen Dornröschenschlaf. Die Zeit schien stehen geblieben. Ein wenig ist es noch immer so. Nur allmählich bringt die Entwicklung von »drüben«, vom Festland, Wandel auch auf die Insel. Lamu ist heute aufgenommen in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes.
Erreichbar ist Lamu entweder mit dem Flugzeug von Nairobi, Mombasa oder Malindi aus oder - sehr viel preiswerter, aber auch sehr viel zeitraubender - auf dem Landweg: von Mombasa über Malindi nach Mokowe (ca. 8 Stunden). Zurzeit ist aus Sicherheitsgründen allerdings von dieser Verbindung eher abzuraten - auch wenn zumeist eine bewaffnete Eskorte die Fahrzeuge begleitet. Von Mokowe geht es weiter mit der Dhau oder dem Motorboot (die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten). Von organisierten Tagesausflügen abgesehen, ist Lamu bis heute vorwiegend das Ziel von Individualtouristen geblieben....

