Zu der Hafenstadt mit dem herben Flair (280 000 Ew.) will der Name (»Paradiestal«) nicht so recht passen. Wie Schwalbennester kleben die Holzhäuser übereinander an der steilen Küste. Mehr als drei Dutzend bis zu 400 m hohe Hügel (cerros) säumen den Hafen und den El Plan genannten Küstenstreifen und geben dem Ort das Gepräge eines Amphitheaters. Alte Schrägaufzüge und unzählige Treppen führen hoch auf die cerros. Nicht von ungefähr wurde der alte Stadtkern von der Unesco zum Kulturerbe der Menschheit erklärt.
Mitte des 16. Jhs. lebten schon zahlreiche Kolonisten auf den umliegenden Hügeln, sodass Pedro de Valdivia 1542 einen Hafen gründen konnte. Nach der Unabhängigkeit, zu Beginn des 19. Jhs., öffnete sich Chile dem Welthandel, und Valparaíso wurde zum Anlaufpunkt auf der Schifffahrtsroute vom Atlantik über Kap Hoorn zum Pazifik. Damit kam viel buntes Volk in die Hafenstadt. Von der einstigen Präsenz deutscher Handelshäuser zeugt noch das neoklassizistische Gebäude des Club Alemán (Salvador Donoso 1337), des 1838 gegründeten und damit ältesten deutschen Vereins in Südamerika. Valparaíso ist seit 1990 Sitz des chilenischen Kongresses. Den Parlamentsneubau an der Plaza O'Higgins ließ die Militärjunta errichten. Jetzt pendeln die Abgeordneten zwischen »Valpo«, Santiago und ihren Wahlbezirken und benötigen dreimal so viele Mitarbeiter. Valparaíso aber ist, zusammen mit dem benachbarten Viña del Mar, ein Ort, an dem man es länger als eine Legislaturperiode aushalten kann.
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