Lebendige Tradition - Im Süden des Landes begegnen Besuchern indianische Tradition und Folklore.
Im Süden des Landes begegnen Besuchern indianische Tradition und Folklore. Bis an die guatemaltekische Grenze reichen die südlichen Bundesstaaten Chiapas und Tabasco. In den Tälern von Chiapas leben etwa 150 000 Tzeltal- und Tzotzilindianer, Nachkommen der Maya, die jeweils ihre eigene Sprache sprechen und durch ihre Trachten voneinander zu unterscheiden sind. Der Fluss Usumacinta, der teilweise die Grenze zu Guatemala markiert, verläuft durch tropischen Regenwald und durch das Land der Lakandonen, ebenfalls Nachkommen der Maya. Diese leben zurückgezogen im Urwald und bedienen sich der gleichen Anbaumethoden wie einst ihre Vorfahren.
In Chiapas »... sind die Bauern Indios, und die Indios sind Bauern. Hier gab es keine Agrarreform, hier gab man den Bauern nicht nur nicht das Land zurück, hier konnte die lokale Oligarchie Stück für Stück weiteres Land rauben«, schrieb Carlos Fuentes in den Zeitungen der Welt - seine Analyse des Indianeraufstandes von 1994/95. Seit Jahren schon kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Großgrundbesitzern (weniger als 100 Familien gehört das Land) und den Nachkommen der Maya, die am Rande des Existenzminimums leben.
Ungezählte indianische Dörfer verstecken sich in den Tälern und an den Berghängen Oaxacas. Das Leben der Einheimischen folgt noch den Traditionen. Oaxaca und Chiapas brauchen die Devisen der Touristen, und deshalb wird die touristische Infrastruktur auch in kleinen Dörfern vorangetrieben, werden Naturschutzgebiete ausgebaut, entstehen Gästehäuser im landestypischen Adobestil, der Bauweise mit Lehmziegeln. Kunsthistorisch gehört die Region zu den Schatzkammern des Landes: Sie verfügt neben den prächtigen präkolumbischen Stätten wie Monte Albán, Mitla und Yagul auch über bedeutsame Kolonialstädte.
Vor Tausenden von Jahren gründeten die Maya in Chiapas (sowie auf der Halbinsel Yucatán, in Guatemala und Honduras) ihre prächtigen Ritualzentren. Hunderte von Mayastätten liegen noch heute verborgen unter wucherndem Dschungel. Ihre entlegene Lage ist verantwortlich dafür, dass sie größtenteils noch nicht erforscht wurden. Chiapas und Oaxaca gehören nicht nur zu den schönsten Gegenden Mexikos, sondern leider auch zu den ärmsten Bundesstaaten des Landes....




