Wer in Thailand angekommen ist, bemerkt als erstes sicherlich, dass eigentlich alle Menschen einen mit einem breiten Lächeln begrüßen. Das ist nicht gefälscht oder aufgesetzt, Thais lieben ihr Land und grundsätzlich auch ihr Leben. Es empfiehlt sich also stets zurückzulächeln und nicht gleich wegzusehen, sondern dem Gegrüßten noch ein paar weitere Sekunden der Aufmerksamkeit (und Lächeln) zu schenken.
Wer auf einen Thai mit einem Lächeln zugeht und obendrein noch ein paar Fetzen Thai sprechen kann (zB Sawwadi K(r)ap - sagen Männer / Sawwadi-Ka - sagen Frauen zum Gruß) ist meistens auf der Siegerseite. So kann eigentlich kaum ein Einheimischer zu welch auch immer benötigten Hilfe nein sagen. Auch wenn es am Anfang (vor allem für westliche Reisende) schwer sein mag, man sollte nie aufhören zu lächeln, auch über sich selbst lachen zu können zeigt in Thailand von Größe.
Den Thais sind in der Regel vier Dinge heilig: Ihr König, ihr Land, ihre Familie und ihr Gesicht. Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie und der König ist die Seele und das gute Gewissen seiner Einwohner. Nichts geht über den König, deswegen nie den Fehler mit einem Thai eine Diskussion über ihn zu beginnen, diese wird binnen kürzester Zeit beendet oder sogar als Beleidigung interpretiert. Hier ist es am besten sich über Lektüre weiterzubilden. Wichtig ist jedoch, dass man nie auf ein Abbild des Königs die nackten Fußsohlen richtet, sprich, auf einen Geldschein zu steigen oder gemütlich auf einer Wiese zu sitzen und die Zehen auf ein Poster mit Rama IX. zu strecken. Dies kann manchmal kompliziert sein, denn der König ist eigentlich wirklich überall abgebildet.
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Umgang mit Thais ist ihr Gesicht, sprich, ihre Würde. Man belehrt also keinen Einheimischen oder zeigt ihm/ihr demonstrativ, dass man Recht hat und damit er/sie falsch liegt. Dies gilt leider nicht für die unteren Schichten wie Taxi/Tuk Tuk-Fahrer, Massenmarkthändler oder Bauarbeiter, diese lehnen jenen Respekt selbst ab und können gelegentlich sehr schroff werden. Man ist dennoch immer auf der ehrehafteren Seite, wenn man trotzdem beherrscht bleibt und das Lächeln bewahrt, selbst wenn man noch so gern gerade in die Luft gehen möchte.
Der Gesichtsverlust ist einer der schlimmsten Momente, die einem/r Thai im Alltag passieren kann. Wer also gerade ein paar T-Shirts kaufen will, vom Händler 1000 Baht als Angebot auf den Taschenrechner getippt bekommt und jenen mit eingetippten 300 Baht retourniert, darf nicht sauer sein, wenn der Verkäufer seine T-Shirts zusammenpackt, still wird und einem mit Schweigen zu verstehen gibt, dass es Zeit ist zu gehen. Manche werden sogar laut und verscheuchen ihre Kunden.
Die Lautstärke ist das letzte Gebot im Umgang mit den Bewohnern Thailands: Wer leise spricht ist edel, wer laut spricht ist arm. Dies kann leider (vor allem bei den Sprachbarrieren) manchmal zu einer Odyssee werden, jedoch mit Lächeln und langsamen Handbewegungen (immer Hände als Einheit führen, nie direkt zeigen oder Hand- bzw. Fußflächen auf jemanden oder Heiligkeiten richten) kann jedoch in der Regel immer Abhilfe geschaffen werden.
In der Großstadt ist es keine Sünde, Taxi- oder Tuk Tuk-Fahrer, Markthändler, Losverkäufer, Bettler oder Schneider einfach zu ignorieren. Zu essen hat jeder in diesem Land und wenn man wirklich mit jedem auch nur ein kurzes Gespräch führt kommt man an manchen Orten keine 20 Meter. Routiniertere Besucher können schon nach vorne blicken, ein breites Lächeln aufsetzen und mit Stil zu verstehen geben, dass man an keinem "Service" interessiert ist. Anfänger sollten am besten auf den Boden sehen und entweder konzentriert, erschöpft oder zielstrebig wirken. Tuk Tuk-Fahrer fragen immer gerne, wohin man überhaupt will, dies kann manchmal sogar hilfreich sein, sofern er es nicht mit seinen eigenen Diensten verbindet und obendrein dann noch einen utopisch niederen Preis nennt. Hier sollten dann die Alarmglocken läuten, denn diese Reise endet in der Regel schon nach drei Straßenecken beim Anzugschneider, Juwelier oder Nobelrestaurant.
Und letztlich sollte noch die Kriminalität und Sicherheit erwähnt werden. Thailand ist sogesehen eines der sichersten asiatischen Reiseländer. Die Gewaltbereitschaft der Einheimischen ist manchmal sogar unheimlich niedrig und allein schon der Gefahr der Aggression wird hier schon gekonnt aus dem Weg gegangen. Es ist also höchst unwahrscheinlich, angegriffen, bedroht, ausgeraubt oder überhaupt umgebracht zu werden. Dumme und naive Touristen gibt es jedoch überall, und wer es Langfingern leicht macht wird auch seine Erfahrungen machen. Dasselbe gilt auch für alleinreisende Frauen, die nachts allein durch enge Gassen zu ihrem Hotel wollen oder sich sogar von einem Thai nach Hause fahren lassen. Gesunder Menschenverstand ist hier angebracht und man hat einen sicheren Trip. Thais haben andere (legale) Strategien, um Touristen (oder "wandelnde Bankomaten", wie sie umgangssprachlich gerne genannt werden) das Geld aus der Tasche zu holen. Wer jedoch scharf beobachtet und nicht allzu naiv ist wird damit schon gar nicht konfrontiert.