Obwohl Trujillo, das rund 560 km nördlich von Lima an der Panamericana liegt, mit gut 1 Mio. Einwohnern beileibe keine Kleinstadt ist, wirkt es doch beschaulich und liebenswürdig. Viel trägt dazu das gepflegte Zentrum mit seinen prächtigen Palästen aus der Zeit der Zuckerbarone bei, die 1969 von der Militärjunta enteignet wurden. Typisch für Trujillo sind die oben und unten gebündelten Gitterfenster der kolonialen Fassaden. In der Mittagszeit malen die harten Schatten hübsche Kontraste in die dann fast menschenleeren Straßen. In Trujillo mischen sich auf einzigartige Weise kolonialer Charme, kreolischer Stolz, präkolumbische Geschichte und die nahe Brise des Pazifiks. Pizarro gründete die Stadt 1535 vor den Toren der einst blühenden Chimú-Metropole Chan Chan und benannte sie nach seiner Heimatstadt in der spanischen Extremadura. Die Reste von Chan Chan erheben sich bis heute aus dem Wüstensand und sind die große archäologische Attraktion Trujillos. In welche Richtung man die Stadt auch verlässt, überall stößt man auf Spuren dieser präkolumbischen Zivilisation. Ein erstklassiges Museum verschafft dazu den historischen Überblick.
Trujillo spielte während der Unabhängigkeitsbewegung Perus eine führende Rolle und wurde schließlich zur Hauptstadt der Provinz »La Libertad« (Die Freiheit) gekürt. Im Nationaltanz La Marinera, für den die Stadt berühmt ist, scheint sich die überschwängliche Freude über die errungene Freiheit auszudrücken. Er ist eine Art lockerer, barfuß getanzter Flamenco, bei dem sich beide Partner kokett mit leichten Tüchern umgarnen. Auch das Erbe der Chimú blieb bis heute lebendig. Das wird fasziniert feststellen, wer sich zum nahen Küstenort Huanchaco aufmacht. Denn in diesem sympathischen, kleinen Badeort benutzen die Fischer immer noch die caballitos de totora, Boote aus gebündeltem Schilf - ganz wie ihre präkolumbischen Vorfahren.
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