Handfeste Kost
Die typisch slowakische Küche ist eine karge Küche, entstanden aufgrund der rauen Bedingungen in den Bergen. Da gab es neben Teigwaren vor allem Breie aus geschrotetem Getreide oder Hülsenfrüchten, später auch Kartoffeln und natürlich viel Kraut.
Naturkostler könnten eigentlich frohlocken, doch leider werden diese Komponenten der urslowakischen Küche heute weitgehend außer Acht gelassen. Auf den Speisekarten der Restaurants finden Sie eher das, was bei uns in den 1970er-Jahren als modern galt. Hinzu kommen seit der Wende Einflüsse beliebter internationaler Küchen, wie z.B. Spaghetti oder Pizza. Doch Achtung, Sie werden meist eine „slowakische“ Variante serviert bekommen, und die deckt sich nicht immer mit dem, was Sie sich vielleicht darunter vorstellen.
Die Slowaken essen gern und deftig. Nicht selten ist, wie in mediterranen Ländern, warmes Mittag- und Abendessen üblich. Für die Morgenmahlzeit darf's ebenfalls gern üppig sein, wobei man in den Hotels meist zu Frühstücksbüfetts übergegangen ist, die hier „schwedische Tische“ genannt werden (švédske stoly). Die Speisekarten beginnen mit Vorspeisen (predjedlá), wobei zwischen kalt (studené) und warm (teplé) unterschieden wird. Zu den typischen Vorspeisen gehört die Schinkenrolle (šunková roĺka), die Frischkäse umhüllt. In kleinen, familiären Gasthäusern sind Suppen (polievka) zu empfehlen. Hier werden Rinder- und Hühnerbouillon noch frisch zubereitet. Traditionelle slowakische Suppen sind Knoblauchsuppe (cesnaková polievka) und Krautsuppe (kapustnica), die Schweinefleisch, deftige Wurst, Pilze und Graupen enthalten sollte und mit einem Klecks Rahm abgeschmeckt wird.
Bei den warmen Speisen werden Sie sich zwischen einer Vielzahl an Fleischgerichten entscheiden müssen, ohne dass diese wirklich differenziert zubereitet werden. Gut beraten ist man mit paniertem (vyprážané mäso) oder gegrilltem (na rošte) Fleisch. Die Beilagen (prílohy) wählt man meist gesondert, eine Gemüsedekoration (obloha) gehört jedoch häufig zum Gericht dazu. Frischen Salat werden Sie eher vergeblich suchen. Beliebt und schmackhaft sind aber Krautsalate (kapustový šalát). Außerdem gibt es Gurkensalat (uhorkový šalát, mit Knoblauch!) und šopský šalát: gemischter Salat mit geriebenem Käse. Der gehört übrigens zu den wenigen echten Spezialitäten des Landes. Unbedingt probieren sollten Sie auch parenica und oštiepok. Ersterer ist ein sogenannter Dampfkäse, mild und wie eine Garnrolle aufgespult; ihn gibt's auch geräuchert. Geräuchert ist auch der oštiepok, etwas fester und traditionell wie ein kleiner Rugbyball geformt.
Wenn Ihnen der Sinn nach traditionellen Gerichten steht, suchen Sie eine Koliba oder einen Salaš auf. So hießen die Hütten der Senner, die früher in den Bergen Wanderer bewirten durften. Heute ist das aus hygienischen Gründen nicht mehr erlaubt, es gibt nur noch kommerzielle Restaurationsbetriebe, die sich so nennen. Vielfach gibt es in diesen Lokalen ein offenes Feuer, besonders wenn es sich um eine „Räuberhütte“ (zbojnícka koliba) handelt, deren Name auf den Nationalhelden Jánošík anspielt.
Die Slowaken werden im Gegensatz zu den für ihr gutes Bier berühmten Tschechen gern als Weintrinker bezeichnet. Doch trifft dies nur für die Weingegenden im Süden zu. In den Kleinen Karpaten, im Nitra-Becken und südlich von Kosiče gedeihen Weine, die im Allgemeinen eine gute Tafelqualität besitzen. Hinter rizling rýnsky verbirgt sich ein Rhein-Riesling, und eine frankovka ist meist ein süffiger Blaufränkischer.
Beim Bier gibt es gute Marken: Zlatý bažant, Šariš, Smädný mních oder Topvar. Bekannt sind die Slowaken allerdings für Schärferes: borovica, auch liebevoll borovička genannt, ist ein Wacholderschnaps. Obstbrände sind ebenfalls typisch, der Pflaumenbrand slivovica ist der geläufigste. Nach dem Essen, auch abends zu später Stunde wird man Ihnen eine kávič ka (Kaffeechen) anbieten. Wählen können Sie zwischen Filterkaffee, Espresso (espreso oder preso) und türkischem (turecká káva), der mit Bodensatz an den Tisch kommt. Wenn Sie zwischendurch einen Kaffee trinken wollen, kehren Sie in ein international klingendes Café (oder slowakisch kaviareň) oder auch in ein Espreso/Preso ein. Reiche Kuchenauswahl ist nur in einer cukráreň garantiert, die anderen bieten häufig nur Strudelsorten an.