Tradition und Moderne
Ob beim Stadtspaziergang zwischen den Wolkenkratzern im Central Business District oder entlang der kleinen Shophouses in den Stadtvierteln Chinatown und Little India oder bei der Erkundung Singapurs zahlreicher Parks und Gärten - die Regel Nummer eins lautet immer und überall: Gehen Sie langsam durch die Stadt.
Packen Sie sich Ihr persönliches Sightseeing-Programm auf keinen Fall zu voll. Denn im tropischen Stadtstaat ist schon ein kurzer Spaziergang wegen der heißen Temperaturen meist über 30 Grad und des feucht-schwülen Klimas sehr anstrengend. Wer ausreichend Pausen einlegt und viel Mineralwasser trinkt, kommt besser mit der hohen Luftfeuchtigkeit zurecht.
Die Stadt lässt sich ganz wunderbar zu Fuß entdecken. Die Viertel Chinatown, Little India und Arab Street hat Sir Stamford Raffles, der Gründungsvater Singapurs, einst angelegt - er hielt es für sinnvoll, die Ethnien zu trennen. Heute lächelt die Multikulti-Gesellschaft der Stadt darüber, denn in Little India sind so viele chinesische Geschäftsleute zu finden wie indische Schneider in Chinatown - aber dennoch: Bei Spaziergängen durch diese Viertel ist der ursprüngliche Charakter der Stadtteile noch zu spüren.
Nehmen Sie sich Zeit für einen geruhsamen Bummel rund um die Serangoon Road in Little India, lassen Sie sich von den freundlichen Händlern ihre exotischen Waren erklären. Im Thian-Hock-Keng-Tempel in Chinatown zeigt man Ihnen, wie mit Hilfe von Schüttelstäbchen ein Blick in die Zukunft möglich ist. Beim Bummel entlang des Flusses und in Richtung des Kulturtempels Esplanade bekommen Sie einen zarten Eindruck vom alten kolonialen Glanz der Metropole.
Das moderne Singapur lässt sich auf der Orchard Road, im Central Business District und in der neu entstehenden Marina City entdecken. Zwischen den Wolkenkratzern und den Straßen entlang des Meeres entsteht ein künstlich geschaffenes, zentrales Viertel. 2009, wenn die beiden mehrere Milliarden Dollar teuren Freizeitparks und Casinos eröffnen, wird Singapur seinen Gästen noch viel mehr bieten. Dabei wurden erst im Jahr 2006 ein neues Gericht, eine riesige Stadtbibliothek, die Singapore Management University im Herzen der Stadt eröffnet und der Umbau des National Museums abgeschlossen.
Beim Stadtbummel kann man sich in den klimatisierten Einkaufszentren prima erholen und beim Essen pausieren. Die blitzblanken, kühlen Züge der U-Bahn MRT bieten sich nicht nur für die Ziele in der Innenstadt, sondern auch für Ausflüge in die Satellitenstädte an. Dort, in Pasir Ris, in Sembawang oder in Boon Lay, wo endlose Reihen Hochhäuser in den Himmel gewachsen sind, finden Sie Singapurs heartland, wie die Inselbewohner ihre Heimat fern der Innenstadt nennen. Überdachte Gehwege führen in die Hochhausanlagen, die meist von kleinen Geschäften, so genannten „Mama- und Papa-Shops“, umringt sind. Die Märkte für frische Waren sind meist im Keller untergebracht, der Boden ist nass, deshalb werden sie wet markets genannt.
Die Kunst ist noch ein junges Kapitel in der Geschichte der Stadt. Doch die Regierung hat den Nachholbedarf erkannt. Neue Museen entstehen, und auf der ersten Biennale 2006 ließ der Zensor sogar regierungskritische Kunst zu. Die Esplanade Theatres on the Bay bieten neben einem Konzert- und einem Theatersaal auch Wechselausstellungen.
Singapur setzt sich mutig und ganz bewusst in Konkurrenz zu Kuala Lumpur und Hongkong. Die Stadt bemüht sich, einen Bogen zu spannen zwischen der asiatischen und der westlichen Kultur. Alle ethnischen Gruppen Singapurs sollen angesprochen werden. Das ist nicht so einfach. Da die Singapurer Nachfahren von Zuwanderern aus kulturell sehr unterschiedlichen Ländern sind, fällt es ihnen schwer, ihre Kulturgüter gegenseitig zu würdigen. Doch während bei indischen Tanzdarbietungen oder bei Pekingopern die jeweiligen Volksgruppen noch immer unter sich bleiben, locken Straßentheatergruppen, die inzwischen auf der Orchard Road zugelassen wurden, ein gemischtes Publikum an. Trotz des Ziels, eine eigene Singapurer Kunstwelt aufzubauen, bleibt es im Vielvölkerstaat dennoch wichtig, auch das kulturelle Erbe seiner chinesischen, malaiischen und indischen Bewohner zu konservieren. Informationen über sämtliche Aktivitäten unter http://www.nhb.gov.sg.
Singapur besitzt knapp 140 größere Kirchen, Moscheen und Tempel. Daneben gibt es viele Dutzend kleinere Gebetsstätten. Alle stehen zur Besichtigung offen. Bei Gottesdiensten sollten Sie sich aber ruhig verhalten, nicht herumwandern und nicht fotografieren. Vor dem Betreten von Moscheen und Tempeln müssen Sie Ihre Schuhe ausziehen, und besonders in islamischen Gotteshäusern wird von Frauen dezente Kleidung erwartet (keine kurzen Hosen oder knappe Tops; in der Sultansmoschee hält man Tücher und verhüllende Kleidungsstücke für Besucherinnen bereit). Die Hauptgebetshallen der Moscheen sind Männern vorbehalten. In den Tempeln folgen Sie am besten den Einheimischen. Sie dürfen an allem teilnehmen, können Räucherstäbchen kaufen und in die Gefäße vor den Altären stecken oder sich dem Rundgang der Gläubigen (immer links herum gehen!) anschließen. Hinterlassen Sie eine kleine Spende, denn die Gotteshäuser leben davon. Die Gebetshäuser sind meist tagsüber geöffnet