Sushi und vieles mehr
Was allen, die in Tokio leben, schon lange klar war, hat jetzt endlich auch der Michelin „offiziell“ bestätigt. Tokio ist die Gourmet-Metropole der Welt!
Doch - halt! Es soll doch alles sündhaft teuer sein. Machen Sie sich auf eine freudige Überraschung gefasst! Tokios Restaurants bieten ein äußerst breites Spektrum, sowohl preislich wie geschmacklich, denn natürlich gibt es nicht nur japanische Küche. Die aber sollten Sie als Erstes kennenlernen, nachdem Sie ein wenig den Umgang mit Essstäbchen geübt haben. Die Hürden beim Bestellen sind dafür niedriger als vielleicht gedacht: Vor vielen Restaurants stehen Vitrinen mit Plastiknachbildungen des Angebots; Speisekarten mit Fotos oder englischer Beschriftung sind recht verbreitet. Und schließlich kann man ja noch auf Nachbars Teller weisen, wenn dessen Auswahl einem behagt.
Ein Kinderspiel ist der kulinarische Einstieg für Nudelfans. Zur Wahl stehen chinesische Nudeln (rāmen) und japanische aus Buchweizen (soba) oder Weizenmehl (udon) - in den unterschiedlichsten Zubereitungsarten. Dabei gilt: Schlürfen ist gestattet.
Schritt Nummer zwei führt in eine japanische Kneipe, wo es zu Sake, Bier oder Whisky allerlei Leckereien gibt. Am Spieß Gebratenes und vieles mehr bekommt man in Yakitoriya-, Izakaya- und Robatayaki-Lokalen, erkennbar oft an einer roten Laterne am Eingang. Auch Kneipen sind allerdings nicht billig!
Yakitoriya sind in der Regel winzige Etablissements, in denen man an der Theke, bisweilen auch noch an drei, vier Tischen, Hühnerfleisch und Geflügelinnereien am Minispieß serviert bekommt. Dazu gibt's - je nach Art des Hauses - gebratene Fischchen, Gemüse oder manchmal auch Salat. Oft ist das Angebot hinter Glas an der Theke aufgebaut, Sie können also per Fingerzeig bestellen.
Izakaya heißen die großen Schwestern der Yakitoriya. Der Speisezettel ist zwar weitgehend identisch, die Auswahl an Fisch, Fleisch, Gemüse etc. jedoch größer, genauso wie die Räumlichkeiten. Statt an der Theke nimmt man an Tischen Platz. Es herrscht eine phonstarke Bierzeltatmosphäre.
In den Robatayaki gruppiert sich die Kundschaft oft - nicht immer - um eine ausladende, ovale Theke, hinter der gebrutzelt und geschnetzelt wird. Das Angebot wird vor den Gästen sichtbar ausgelegt und ähnelt dem Yakitoriya- und Izakaya-Repertoire, fällt jedoch meist etwas raffinierter und entsprechend teurer aus. Das Gewünschte wird auf riesigen hölzernen Kellen serviert.
Schritt Nummer drei ist Tempura: Fischiges und Pflanzliches, in einem zarten Teigmantel frittiert. Die Portugiesen sollen die Japaner auf diesen Geschmack gebracht haben. Ebenso ausländerfreundlich sind die Rindfleischgerichte Sukiyaki und Shabu-shabu, eine Art Fondue, oder Teppanyaki, dünne Rind- oder Schweinefleischscheiben mit Gemüse von der Herdplatte. Alle drei Speisen werden am Tisch zubereitet und sind erst seit hundert Jahren in Japan bekannt. Fleischverzehr - Geflügel und Wild ausgenommen - war aus religiösen Gründen verpönt. Erst als der Meiji-Kaiser zum Beweis der Öffnung gen Westen ein Steak hinuntergewürgt hatte, versuchten sich auch die Untertanen an dieser fremdländischen Nahrung. Heute verfügt Japan über eine eigenständige Steakkultur: Kōbe- und auch Matsusakaya-Beef sind ein teurer Spaß! Die Rinder werden mit Bier gemästet und ihr Fleisch mit Massagen zart gehalten.
Als Schritt Nummer vier empfiehlt sich - schon ein wenig exotischer - ein Aal (Unagi), der mit einer süßlichen, sirupartigen Soße überzogen auf den Tisch kommt. Vor allem im heißesten Sommer müsse man ihn essen, sagen die Japaner, das bringe die Lebensgeister wieder auf Trab.
Kaiseki-ryōri könnte der fünfte Schritt sein, leider nur hat dieser höchste aller Genüsse der japanischen Gastronomie einen exorbitanten Preis. Diese Folge von Kleinstmenüs, von winzigen Appetithäppchen - kunstvoll angerichtet auf farblich abgestimmtem Lackgeschirr - ist aus der Teezeremonie hervorgegangen, ein Augenschmaus voller Esoterik und jahreszeitlicher Bezüge. Einmal, zur preiswerteren Mittagszeit vielleicht, sollten Sie sich diesen Luxus gönnen. Was Sie sich schon immer unter japanischer Ästhetik vorgestellt haben: Hier wird es Ihnen - samt entsprechendem Ambiente - in Vollendung geboten.
Nun ist es Zeit für die letzte Etappe, für die Einkehr in eine Sushi-ya. Setzen Sie sich unbedingt an die Theke, dahin gehört der Sushi-Gourmet, und außerdem lässt sich dort ohne Schwierigkeiten per Fingerzeig bestellen. Schon so mancher hat seine Vorbehalte gegen rohen Fisch überwunden, wenn er sich die Schätze des Meeres auf der Zunge zergehen ließ. Sushi bedeutet schlichtweg „gesäuerter Reis“, zur Delikatesse werden die Reisbällchen aber durch den Belag: vom rosaroten Thunfisch (Anfängern sei er ans Herz gelegt) bis hin zum alabasterfarbenen Tintenfisch - nichts wird Sie an das erinnern, was man gemeinhin als Fischgeschmack bezeichnet. Wollen Sie die Scheibchen pur, dann verlangen Sie sashimi - die Krönung der japanischen Küche!
Doch halt! Kein Ausländer, der noch nichts vom fugu, dem Kugelfisch mit seiner tödlich giftigen Leber, gehört hätte. Hier scheiden sich die Geister: delikat, meinen die einen, vernachlässigbar, die anderen. Unbestritten ist der Nervenkitzel. Denn dem Fugu-Koch könnte ja trotz seiner langjährigen Ausbildung einmal ein kleiner Fehler ... Fugu-Saison ist von Oktober bis März.
Ein Wort noch zu den Getränken: Anspruchsvolle Weintrinker kommen höchstens in westlichen Edellokalen auf ihre - dann imposanten - Kosten. Zu japanischem Essen passt Bier oder Sake ohnehin viel besser. Nicht übel sind auch Longdrink-Mixturen auf shōchū- (Schnaps)Basis - in Maßen genossen!
In vielen Restaurants schließt die Küche abends schon gegen 22 Uhr. Kneipen sind gewöhnlich nur am Abend geöffnet. Und während der „Goldenen Woche“ (29. April bis 5. Mai) sowie in den ersten Neujahrstagen machen viele Lokale ihre Betriebsferien.