Milipapp, Kudufleisch und grüner Spargel
Lange Jahre war das Festhalten an der deutschen Küche im Südwesten Afrikas Gewohnheit. Heute aber sind Gerichte wie Sauerbraten, Bratwürstchen oder Eisbein und Sauerkraut auf den Speisekarten der Restaurants eher als eine Hommage an die Ursprünge der namibischen Küche zu verstehen.
Denn auch die hat sich emanzipiert. Hat zunächst die Kniffe einer Nouvelle Cuisine erlernt, sodass die Erbsen und Karotten, die nun einmal traditionell zum Rinderbraten gereicht werden müssen, knackfrisch statt zerkocht auf dem Teller liegen. Auch die Zubereitung des Sauerbratens ist nicht mehr unbedingt eine Angelegenheit mit vielen Rosinen und Schwarzbrot in der Sauce. Stattdessen sind Feigen, Quitten oder Guaven darin sehr schmackhaft. In diesem Kontext ließen sich zahllose Beispiele anführen, aber eines ist nicht verhandelbar: Fleisch muss sein! Sei es nun Rind - namibisches Rindfleisch zählt mit zum wohlschmeckendsten der Welt - oder Springbock, Antilope, Zebra oder Strauß: mariniert, sautiert, gebraten oder gegrillt.
Nur noch selten werden Sie Beilagen wie saure Bohnen oder Krautsalat auf den Büfetts der Restaurants, in Lodges und Gästefarmen finden. Doch mit dem Gemüse ist das so eine Sache im Wüstenland Namibia. In der kargen Erde gedeihen Salate, Karotten, feine Bohnen und erlesene Kräuter, ebenso wie Früchte, nur mühsam. Das alles muss aus Südafrika eingeführt werden und ist deshalb sehr teuer oder oft nicht auf dem Markt. Doch die Lücke lässt sich durch Avocados, Butternut-Kürbisse, Omajova-Pilze und grünen Spargel vortrefflich schließen. Sie werden alles vergessen, was Ihnen bisher an heimischem Spargel so delikat erschien, wenn Sie den frischen, duftenden und herzhaft schmeckenden grünen Spargel, der in Swakopmund gezüchtet wird, probiert haben. Und da wir schon an der Küste sind: Seehecht, Dorade, Makrele, Langusten, crayfish (eine Hummerart) und Austern kommen hier fangfrisch auf die Tische eines jeden Restaurants. Das hat Tradition; verhältnismäßig neu hingegen ist die Akzeptanz, die man Straußenfleisch als wohlschmeckendem Nahrungsmittel entgegenbringt. Bis vor ungefähr 20 Jahren noch stand Strauß nur bei der Fütterung von Hunden und Katzen auf dem Plan. Dass es kein fett- und cholesterinfreieres und kein kalorienärmeres Fleisch gibt, das zudem zart wie Rinderfilet ist - und auch so schmeckt -, war neu.
Empfehlenswert sind Fischspeisen. In Swakopmund werden sehr köstliche geräucherte Barben mit Zwiebelringen angerichtet, und in Lüderitz sollten Sie sich einen Teller crayfish auftischen lassen. Frische namibische Austern gehören zu den besten der Welt. Beim Besuch der Küste sind sie ein kulinarisches Muss. Gut zubereitet, kann Fleisch von Krokodilen, Zebras und Elenantilopen, Kudus und Kaffernbüffeln, Springböcken und Schwarzfersenantilopen eine willkommene Geschmacksabwechslung sein.
Unangetastet von diesen Neuerungen allerdings sind die Backwaren, diese traumhaft mächtigen Frankfurter Kränze, Schwarzwälder Kirschtorten, Windbeutel, Käsekuchen und Sahnetrüffel-Buttercreme-Torten. Kalorientabellen und Cholesterinspiegel scheinen in Namibia nicht zu existieren - es zählen nur die Rezepte aus Großmutters Zeiten.
Die traditionelle Küche der schwarzen Bevölkerung aus Hirse, Kuh- und Ziegenmilchprodukten wird nur in den Restaurants der Schwarzensiedlungen angeboten. Deren Bewohner essen meist zu Hause, nur an besonderen Feiertagen gehen sie aus. Dann isst man ganz viel - und besonders fettes - Fleisch. Auch können Sie in diesen Lokalen milipapp probieren, den afrikanischen Maisbrei, der ebenfalls sehr nahrhaft ist. Namibier, gleich welcher Herkunft, knabbern am liebsten biltong, gedörrtes, scharf gewürztes Fleisch von Rind, Strauß, Kudu, Antilope. Einst als eiserne Ration für lange Trecks gedacht, ist biltong fast überall erhältlich. Der Begrüßungstrunk aus geronnener Ziegenmilch, den Besucher in den Dörfern der Himba gereicht bekommen, ist nicht jedermanns Geschmack.
Die erstklassigen südafrikanischen roten und weißen Weine werden zu günstigen Preisen verkauft, in Windhoeker Spitzenrestaurants können sie mitunter aber auch etwas mehr kosten. Ein besonderer Genuss sind einige der Weine aus namibischem Anbau. Ohnehin existieren nur sehr wenige Weinfarmen im Land, eine von ihnen ist die Farm Thonningii im Otavi Valley. Deren Shiraz - es werden nur knapp 2000 Flaschen jährlich abgefüllt - ist jede Reise dorthin wert. Bierliebhaber dürfen sich freuen: sie finden in ganz Afrika keine bessere Auswahl - allen voran Windhoek oder Hansa.