Ein perfekter Miniplanet
Auf der größten Kanalinsel findet man die dramatischste Klippenszenerie, die coolste Westküste und das urbanste Citylife, dazu noch Buchten wie Piratennester: ein perfekt ausgestatteter Miniplanet von 8 mal 14,5 km, der sich vor 8000 Jahren von Frankreich davonstahl und nun 20 km vor der Küste im warmen Golfstrom liegt.
Die politisch weit gehend unabhängigen knapp 90 000 Ew. - von denen allerdings nur etwa die Hälfte hier geboren wurde - haben den besten Sonnenplatz im Mutterland Großbritannien und auch einen der besten, weil steuerbegünstigten Sonnenplätze für Gutbetuchte in Europa. Man gehört nicht zur EU, hat aber freien Warenaustausch, was allerdings nicht freien Zuzug bedeutet. Millionäre nimmt man jährlich nur noch im Zehnerpack auf, denn an Geld mangelt es Jersey kaum: Rund 60 Banken und 33 000 Firmen sitzen auf etwa 210 Mia. Euro, zu zwei Dritteln ausländische Mittel. Der Finanzsektor macht denn auch 56 Prozent der Inselwirtschaft aus.
Der finanzielle Reichtum hält sich bedeckter als der landschaftliche: Hinter alten normannischen Mauern aus Granit wohnt diskret Gott weiß wer, aber an den noblen Autos erahnt man das Bankkonto. Dabei kommen die sportlichen Flitzer kaum aus dem zweiten Gang heraus, denn die verwinkelten Inselstraßen lassen oft nicht mal die erlaubten 64 km/h zu. In den schmalen green lanes, den extra für Radler, Fußgänger und Reiter belassenen Landsträßchen, sind sogar nur 24 km/h erlaubt.
Geruhsame Entdecker finden sogar noch einige der berühmten Jerseykühe, deren hochfette Milch früher das Einkommen der Bauern bestimmte. Heute ist die Landwirtschaft mit 1,3 Prozent vom Bruttosozialprodukt ein fast zu vernachlässigender Wirtschaftszweig.
Da die Orte auf Jersey oft wenig ausgeprägten Ortscharakter haben und mehr oder weniger ineinander übergehende Ansiedlungen sind, ist dieses Kapitel nicht nach Orten, sondern im Uhrzeigersinn nach den Himmelsrichtungen untergliedert. Die einzige richtige »Stadt«, St. Helier, wird dann separat am Ende des Kapitels vorgestellt.


