Alle Köstlichkeiten des Orients
Eine eigenständige, sich von anderen nationalen Essgewohnheiten abgrenzende israelische Küche gibt es nicht. Bewohner und Köche des Landes kochen so, wie schon ihre Eltern kochten, und die sind aus über 80 Ländern eingewandert und haben von dort ihre einheimischen Gerichte mit nach Israel gebracht.
Man speist also vorzüglich französisch oder jemenitisch, marokkanisch oder österreichisch, russisch oder polnisch, argentinisch oder ungarisch, und überall gesellt sich etwas orientalischer Einfluss hinzu.
Das israelische Frühstück ist üppig. Die meisten Hotels und öffentlichen Cafés offerieren ein Mammutbuffet, bei dem frische Früchte, auf verschiedene Arten zubereitete Eier, viele Käsesorten, Oliven und Gemüsesalate, Humus und Joghurt, aber auch geräucherter und marinierter Fisch das übliche Brötchen mit Marmelade ergänzen.
Zum Mittagessen trifft man sich gern mit Freunden. Für Touristen bietet sich dabei die Gelegenheit, orientalische Gerichte kennenzulernen: Israelis beginnen eine Mahlzeit mit Mezze. Man kann das Wort Mezze mit Vorspeisen, Snack, Hors d'œuvre oder Appetithäppchen übersetzen, aber keiner dieser Begriffe vermag die breite Palette der in kleinen Schüsselchen servierten, gekochten, gegarten oder rohen Köstlichkeiten wiederzugeben, die auf den Tisch gestellt werden: z.B. gefüllte Weinblätter und Humus, gegrillte Hühnerleber und saure Gurken, Zwiebelringe in Essig und eingelegte Steckrüben, Tabbouleh und Oliven, mit Chili zubereitete Relishes und Zhoug (Chilipaste mit Petersilie und Koriander). Jeder bedient sich selbst, auch aus dem großen Brotkorb, der immer zur Mezze gehört. Wer von allem etwas auf seinen Teller häuft, gibt sich als Tourist zu erkennen. Israelis wählen die Speisen hintereinander aus, um den Eigengeschmack jeder Köstlichkeit gebührend genießen zu können.
Viele biblische Speisen haben in Israel ihre Bedeutung bis heute behalten. Wichtig sind die Brotarten, die ausschließlich Weizen, Gerste, Hirse und Roggen enthalten. Das runde Rosh-Ha-Shanah-Brot symbolisiert Glück, das Shabbat-Brot ist geflochten, die Größe der Challah-Brote hängt vom jeweiligen Feiertag ab. Pittah-Brot aus Weizenmehl, Salz, Hefe und etwas Öl begleitet viele Gerichte.
Das Abendessen der Israelis ist relativ leicht, ganz im Gegensatz zu dem der Araber. Auf die arabische Küche in guten Restaurants in Ost-Jerusalem, aber auch in allen anderen größeren Städten, müssen Besucher heute nicht mehr verzichten. Israelische Palästinenser oder aus arabischen Ländern eingewanderte Juden haben ihre Kochkünste bewahrt.
Die Israelis mögen Fisch. Fischgerichte sind fester Bestandteil eines jeden Festmahls, ob zu Hause oder im Restaurant. Wie in allen Mittelmeerländern grillt man den Fisch gern auf Holzkohle, abgeschmeckt mit Knoblauch, Zitronensaft und Paprika. Israel deckt seinen Bedarf durch Küsten- und Hochseefischerei im Mittelmeer oder aus Zuchtteichen. Selbst der berühmte St.-Peter-Fisch, der heute in allen Lokalen rund um den See Genezareth angeboten wird, weil Petrus und die anderen Jünger hier einst ihre Netze auswarfen, stammt nicht mehr aus dem See Genezareth, sondern wird aus Zuchtbecken am Rand des Hermon herantransportiert.
Das wohl bekannteste aller Fischgerichte, das einem im Zusammenhang mit jüdischer Kochkunst einfällt, ist der Gefillte Fisch. Dabei handelt es sich um eine undefinierbare, zusammengepresste Fischmasse unter einer dicken, gallertartigen Sauce, eine Art Pastete, die nach Fisch riecht und als Fisch geformt serviert wird. Das Gericht stammt wohl aus Polen. Polnische Juden pflegten seit Jahrhunderten gekochten - und deshalb oft zerfallenen - Fisch mit einer gelatineartigen Sauce aus Zucker und Mandeln zu bedecken, um seine Form zu stabilisieren.
Es ist das Verdienst der Rothschilds, dass man heute in Israel vorzügliche einheimische Weine trinken kann. 1886 schenkte Baron Edmond zionistischen Siedlern, die sich an den Westhängen des Carmel-Gebirges niedergelassen hatten, mehrere Weinpressen. Weil hier Klima und Böden stimmen, konnten nun Juden nach 2000 Jahren im Gelobten Land wieder koschere Weine für ihre religiösen Feiern herstellen. Heute ist die Carmel Winery im Zikon-Yaakov unter den über 200 Winzerbetrieben die größte in Israel. Seit vier Jahrzehnten wird auch in den Bergen Galiläas und auf den Golan-Höhen Wein angebaut und exportiert.
Wer zum Essen ausgeht, braucht keine festliche Kleidung, informelle genügt vollkommen, selbst in den feinen Restaurants. In Israel gilt ein allgemeines Rauchverbot. Lokalbesitzer müssen bei Zuwiderhandlung 850 Euro Strafe zahlen.