Für Selbstfahrer hier einige Tipps
Wer in Indonesien selbst fahren will und dort keinen festen Wohnsitz hat, kann Fahrzeuge nur mieten. Für deutsche Staatsbürger ist meines Wissens immer noch internationale Führerschein notwendig. Wer gerne auf eigene Faust unterwegs ist, tut das am besten wie die Indonesier auch auf dem Motorrad. Es ist wendig, man kommt gut durch und man ist bei Bedarf schnell um die Ecke geflitzt, wenn einen die Polisi (Polizei) mal wieder wegen ner Handvoll Bakschisch anhalten will, was sehr regelmäßig vorkommt. Der durchschnittliche Mietpreis liegt etwa bei 10 US$ am Tag. Mit etwas Verhandlungsgeschick kann man aber auch gut handeln. Hier ist dann die Mietdauer letztlich ausschlaggebend. Wer gerne mal Ausflüge in die Berge macht, ist mit einer Enduro definitiv am besten bedient. An Hubraum ist nicht mehr als 125 ccm erlaubt, was bei einer Zweitaktmaschine aber reicht.
Fahren in Indonesien ist definitiv ein Erlebnis der besonderen Art. Nicht nur weil es im Linksverkehr stattfindet, sondern weil es auch keine Regeln gibt.
Keine Regeln?
Doch die gibt es.
1. Deutsche Oberlehrer Mentalität ist völlig fehl am Platz. Wer meint Recht zu haben und darauf beharrt, ist schneller tot als ihm lieb ist.
2. Der Verkehr in ganz Südost- Asien läuft hierarchisch. D.h. der größere hat immer Recht. Das staffelt sich wie folgt:
-Omnibusse oder Lastkraftwagen,
-Kleinere Touristenbusse,
-Landmonster (Umgandssprache für besonders große -Geländewagen oder SUV's),
-Kleintransporter / PKW,
-Motorrikschas,
-Motorräder,
-Fahrradrikschas,
-Fahrräder,
-Fußgänger.
Wer also unbedingt meint, er müsse sich mit deutscher Rechthabermentalität (auch wenn er Recht hat) im indonesischen Straßenverkehr bewegen, wird schnell vom Zweirad gefahren. Allerdings ist nur passiv zu fahren auch nicht immer richtig. Die obersten Regeln: Immer bremsbereit sein. Immer den Daumen an der Hupe haben.
Fahren lernen:
Wer sich im Linksverkehr zu Anfang nicht wohl fühlt, lässt einen Freund, Bekannten oder jemanden vom Hotelpersonal vor sich fahren und guckt sich die nötigen Tricks im Verkehr ab. Kreisverkehre sind für den ungeübten Fahrer sehr tückisch. Da hier viele Leser nach Bali fahren dürften, kann ich nur vom Kreisverkehr bei Kuta warnen. Hier treffen mehrere Straßen aufeinander und jeder fährt einfach drauf los. Es ist also gut, wenn man sich noch nicht so sicher ist, einfach inne zu halten, auf den Seitenstreifen zu fahren und sich wirklich 15-30 min den Verkehr und die Fahrweise der anderen zu verinnerlichen. Sucht euch einen anderen Motorradfahrer, z.B. den Familienvater der seine zwei Kinder mit auf dem Motorrad hat. Der fährt fast sicher seinen "Stiefel" weil er die Kinder keiner Gefahr aussetzen will. Fahrt mit einigem Abstand hinterher, beobachtet und lernt. Beobachtet aber nicht nur Zweiradfahrer sondern auch wie sich andere Kraftfahrzeuge verhalten.
Fahren in Indonesien ist eine sehr laute Angelegenheit. Es wird eigentlich ständig irgendwo gehupt. Dieses Hupen ist als Warnung zu verstehen. So wird beim Überholen fast immer von jedem gehupt um anzuzeigen, der Vordermann möge bitte nicht ausgerechnet jetzt abbiegen, was nur zu oft ohne Ankündigung geschieht.
Kreuzungen:
Hier kommt es zu den meisten Unfällen. Der Grund ist oft trivial. Es ist unangepasste Geschwindigkeit. Nicht wenn man zu schnell fährt, sondern wenn man plötzlich die Geschwindigkeit ändert. Also entweder plötzlich Gas gibt, oder plötzlich bremst. Am besten überquert man eine Kreuzung mit einer möglichst konstanten Geschwindigkeit. Ihr werdet beobachten, dass sich alle Verkehrsteilnehmer aufeinander einstellen. Und so kracht es dann auch am wenigsten und der Verkehrsfluss bleibt erhalten. Wer schon mal in Hanoi oder Saigon war, sieht sofort was ich meine. (Einfach mal ein Video auf Youtube dazu gucken)
Wenn möglich immer eine verspiegelte Sonnenbrille tragen, so das einem das gegenüber nicht in die Augen sehen kann. Warum? Ganz einfach: Wenn der andere meint Ihr habt ihn nicht gesehen, wird er in der Regel vorsichtiger fahren. Meint er aber Ihr habt ihn gesehen, kann es passieren, dass er losfährt, weil Ihr seiner Meinung nach z.B. die schwächeren Verkehrsteilnehmer seid. Das soll nun nicht heißen "Augen zu und durch". Im Gegenteil. Aber versucht beim Beobachten des Verkehrs nicht zu sehr den Kopf zu drehen und mehr aus den Augenwinkeln zu arbeiten.
Auf der Strecke
Es begegnen einem schon so manche skurrile Dinge auf der Straße. Der Straßenzustand ist nie zu unterschätzen. Man fährt 20 Kilometer auf guter Straße und auf einmal ist die Straße ohne jegliche Vorwarnung weggespült, oder es hat sehr tiefe sehr große Löcher (wo man selbst nebst Motorrad gut reinpassen würde).
Da liegt schon mal ein Toter auf der Straße und keinen kümmert es.
Man kommt um eine Kurve und fliegt über einen schlafenden Wasserbüffel. Ein Hund wärmt sich in der Dämmerung auf der Straße und man übersieht ihn. (Was in Bali sehr extrem ist)
Oder man staunt noch über die eigenartige Straßenverzierung in mitten der Fahrbahn, in Form eines kleinen Steinhaufens in dem ein Zweig steckt und schon fliegt man von der Straße. Hier hat man dann die indonesische Form des Warndreiecks übersehen und krachte in ein Hindernis.
Man kann beobachten, das Fahrzeuge die über die Kreuzung fahren, den Warnblinker einschalten. Nun, das ist hierzulande die Art zu sagen ich will geradeaus.
Wer sich wundert, warum im überwiegend hinduistischen Bali ausgerechnet die Tankwagenfahrer wie die Berserker am Bypass lang fahren, findet die Erklärung tatsächlich in der Religion. Der Fahrer braucht im Falle eines Unfalls nicht mehr teuer in einer Zeremonie eingeäschert zu werden.
Unfälle - Ein unschönes Kapitel mit viel Stoff zum Nachdenken:
Was ich hier schreibe kommt aus reichlich Erfahrung im indonesischen Verkehr. Als ich einmal Zeuge bei einem sehr schweren Unfall zwischen einem Geländewagen und einem Motorradfahrer wurde, wollte ich sofort los und mit meinem mitgeführten Motorradverbandkasten dem Schwerverletzen helfen. Mein indonesischer Bekannter hielt mich zurück und meinte ich solle mich da raushalten. Auf meine Frage "Wieso?" bekam ich zu hören, dass man gerade Touristen gerne für eventuelle Fehler bei der Hilfe verantwortlich macht. Sozusagen, man hätte den Zustand verschlimmert. In Indonesien kann man für falsche Hilfeleistung also belangt werden. Das erklärt auch das Verhalten der ganzen Schaulustigen beim Unfall. Es hat keiner geholfen. Erst als die Polizei kam, hat man den Schwerverletzten mal eben in ein vorbeifahrendes Bemo gewuchtet und dem Fahrer bedeutet den Mann ins Krankenhaus zu fahren. Etwas unschöner wird es, wenn man selbst jemanden verletzt. Es gibt Landstriche, wo es vorkommt, dass man einem Lynchmob zum Opfer fällt. Eine pauschale Verhaltensregel kann und will ich hier nicht geben. Das muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen. Es kann für das eigene Leben aber besser sein, erst zu flüchten und sich dann hinterher zu stellen. Natürlich nur, wenn man sich bereits einen guten Anwalt über den ADAC oder der ständigen Vertretung in Indonesien gesichert hat. In Indonesien funktioniert alles über Geld. Reichlich Geld. Von der Polizei, Staatsanwälten, Richtern und Gefängniswärtern und Mitgefangenen will jeder vom großen Touristenkuchen etwas abhaben. Stockt der Geldfluss wird es ungemütlich.
Wer Ende der 90er auf Bali weilte, wird keine Krankenwagen gesehen haben. Keine? Nein, es gab zwei aus Australien importierte Holden Krankenwagen aus den 60er Jahren die nur einen Job hatten: Man fuhr den ganzen Tag in den Touristenzentren auf und ab um etwas beruhigende Präsenz zu zeigen. Wenn sich in einem der Wagen aber auch nur ein Pflaster fand, war das wohl schon die Vollausstattung. Wie das nun heute ist, kann ich nicht genau sagen. Getan hat sich sicher was. Vielleicht ergänzt jemand was zum Thema.
Eine Reisekrankenversicherung mit Flugambulanz ist also obligatorisch.
Polisi:
Alle in einen Topf zu werfen wäre ungerecht. Aber in der Regel sind indonesische Polizisten doch fast alle korrupt. In den Touristenzentren werden Selbstfahrer oft wegen lächerlicher Kleinigkeiten aufgehalten. Sei es nur, weil man den Fuss beim halten über eine Fahrbahnmarkierung hinweg abgesetzt hatte oder weil der Weichplastikhelm angeblich zu locker auf dem Kopf saß. Oft liegen die Polizeistationen mitten auf der Strecke und man muss höllisch aufpassen weil einem die braun gewandeten Männchen einfach vor das Motorrad oder Auto hüpfen und einem dabei sogar an den Lenker greifen. Meistens kommt man mit ein- zwei Schachteln Kretek (Nelkenzigaretten) davon. Daher bietet es sich auch an, nur geringste Mengen Kleingeld griffbereit zu haben und den Rest in einem guten Versteck mitzuführen. Auch als Nichtraucher sollte man ein paar Schachteln Kretek dabei haben. Bei den Indonesiern rauchen bereits Kinder. So palavert es sich bei einer freundlich angebotenen Zigarette auch viel leichter. Das Rauchen hebt die Konversation auf eine andere freundliche Ebene. Nichtraucher paffen dann eben mit.
Fahrzeuge mieten:
Das ist ein eigenes Kapitel. Erst ist alles mal Verhandlungssache. Der Fahrzeugzustand sollte genau dokumentiert werden. Dabei bringt man am besten einen Ausdruck einer stilisierten Ansicht des Fahrzeugs mit um dort Kringel zu setzten, wo Beschädigungen sind. Je länger man mietet, desto besser ist die Verhandlungsbasis. De gesamte Mietpreis ist im Voraus zu entrichten. Man kann mit einer Zulassung für eine Insel und ohne dem schriftlichen Einverständnis des Eigentümers diese Insel als Tourist nicht mit dem Fahrzeug verlassen. Wer zum Beispiel von Bali nach Lombok will, wird spätestens am Hafen in Padang Bai aufgehalten werden. Oft sind bei den Motorrädern die Zündkerzen (Busi) nicht mehr die neuesten. Bremsen, Bremsversatz, Licht, Sitz aller Anbauteile sind selbstverständlich zu überprüfen. Ist soweit alles OK, gebt euch etwas Zeit sich an das Fahrzeug zu gewöhnen. Beim PKW ist bei den Rechtslenkern im Prinzip alles so, wie man es von zu Hause aus kennt. Auch die Pedale und Gänge sind dort wo man sie gewohnt ist. Nur das man eben auf der rechten Seite sitzt. Es ist immer eine gute Idee, mit dem Vermieter ein paar Kilometer zu fahren und sich erst mal ein wenig abzugucken. So bekommt man am besten Gefühl für die Sache.