Fisch, Fisch und Fisch
Traditionell ist die isländische Küche einfach und bäuerlich: Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Getreide- und Milchprodukte. Um Fisch und Fleisch zu konservieren, wurden und werden sie auch heute noch gesäuert, geräuchert, getrocknet, gepökelt oder in Molke eingelegt.
Einige der alten Gerichte haben sich bis heute gehalten und werden speziell am Winterende zum þorrablót gegessen. Für die Isländer ist es eine Form der Winteraustreibung, wenn sie auf traditionelle Weise konservierte Speisen essen, denn mit dem Frühling begann in früheren Jahrhunderten wieder die Zeit der frischen Lebensmittel.
Erst seit dem Bau von Gewächshäusern gibt es einheimische Tomaten, Gurken, Paprika, Salate und Pilze, vorher waren da nur Rhabarber und Kohl. In einigen Supermärkten sind die Angebote an frischem Gemüse und Obst beeindruckend, importiert aus der ganzen Welt. In den letzten Jahrzehnten haben die Isländer ihre Ernährung - überwiegend Fleisch und Fisch - um das ehemals verpönte Grünzeug bereichert. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Restaurantangeboten wider - vom Asiaten über Fast-Food-Ketten bis zum zünftigen Wikingerlokal finden Sie alles.
Sowohl bei Fisch als auch bei Fleisch wird sehr auf Qualität geachtet, alle Produkte stammen von einheimischen Tieren. Fast alles aus Flüssen und Meer landet in irgendeiner Form auf dem Teller. Außer den bekannten Fleischsorten wird auch Fohlen angeboten und beim Geflügel zusätzlich lundi (Papageitaucher) und svartfugl (Tordalk), deren große, bunte Eier im Frühjahr ebenfalls in den Regalen liegen. Einige Supermärkte haben Frischfleisch- und Fischtheken, ansonsten liegen die Produkte abgepackt in den Kühlregalen. In Reykjavík gibt es einige kleine Fischgeschäfte, die saisonal auch Papageitaucher, Alke und deren Eier anbieten. In manchen Orten können Sie direkt am Hafen den Fang von den gerade eingelaufenen Fischerbooten kaufen.
Isländer essen gern und viel, entsprechend reichhaltig fallen die einzelnen Mahlzeiten aus. Zu einem Frühstücksbuffet gehören Cornflakes mit súrmjólk (Dickmilch) und braunem Zucker, Brot, Aufschnitt, Marmeladen - zum Beispiel aus heimischen Beeren -, Tomaten, Gurken und natürlich síld (Heringshappen), eingelegt in unterschiedliche Saucen.
Mittagszeit ist regulär von 12 bis 13 Uhr, und die meisten Angestellten sind dann „zu Tisch“. Die Restaurants bieten entsprechende Menüs, bestehend aus Suppe und einem Fischgericht, zu einem günstigen Preis von rund 15 Euro an. Besonders beliebt sind ýsa (Schellfisch), þorskur (Kabeljau) und karfi (Rotbarsch), gedünstet oder gegrillt.
Am Nachmittag gibt es ein Kuchenbuffet, das Süßes wie Herzhaftes bereithält. Die mächtigen Sahnetorten sind wahre Kalorienbomben, ein wenig leichter sind pönnukökur (Crêpes), gefüllt mit Sahne oder Marmelade, und kleinur (Schmalzgebäck). Flatbrauð ist ein Pfannkuchen aus Roggenmehl und wird mit einer dünnen Scheibe hangikjöt, geräuchertem Lammfleisch, belegt. Auch ein Sandwich mit rækja (Krabben) und Mayonnaise zählt zum Nachmittagsimbiss.
Das Abendessen wird meist in familiärer Runde eingenommen und ist die wichtigste Mahlzeit. Am Wochenende gehen viele Isländer auch ins Restaurant, um so die Woche gebührend zu beenden. Die international ausgebildeten Köche kreieren zum Teil fantasievolle Gerichte aus den heimischen Produkten, oft asiatisch oder mediterran inspiriert. Ausgezeichnet ist der Lachs, ob geräuchert oder gegrillt. Ganzjährig gibt es den Zuchtlachs und im Sommer Wildlachs aus einem der berühmten isländischen Lachsflüsse. Reyktur silungur (geräucherte Forelle) ist vor allem am Mývatn eine Spezialität, sie schmeckt dort besonders würzig, da sie mit Wacholder geräuchert wird. Wenn Sie als Hauptgericht lamb (Lammfleisch) wählen, müssen Sie zwar deutlich mehr als für ein Fischgericht bezahlen (rund 30 Euro), doch es lohnt. Die frei laufenden Lämmer fressen den ganzen Sommer nur Gräser und Kräuter, deshalb hat ihr Fleisch einen leicht „gewürzten“ Geschmack. Eine andere Spezialität ist hreindýr (Rentier) - für Wildkenner ein Genuss.
Zu einem opulenten Abendessen gehört auch ein Wein, und zu allen Mahlzeiten erhalten Sie Leitungswasser, das aufgrund seiner Güte sogar exportiert wird. Wegen des Wassers schmeckt auch das isländische Bier sehr gut. Das typische Getränk aber ist Kaffee. Nach jeder Mahlzeit und zu jedem Treffen gehört er dazu. Abends verfeinern ihn Isländer mit Cognac oder Likör. Kaffee ist recht preiswert, zumal eine zweite Tasse meistens inklusive ist.