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Dominica ist zwar die größte englischsprachige Insel der Kleinen Antillen, aber mit 73 000 Einwohnern nicht so dicht besiedelt wie andere Antilleninseln. Die Natur ist weder von Industrie noch vom Tourismus oder der Landwirtschaft zerstört worden und somit noch weitgehend intakt. Dominica war das erste Land, das Kolumbus auf seiner zweiten Reise in die Neue Welt sichtete. Er ging allerdings nicht von Bord, da die schroffe Ostküste ein solches Unternehmen nicht erlaubte. Bevor er nach Norden weitersegelte, gab er der Insel den Namen, den sie auch heute noch trägt. Dominica, nach dem Tag des Herrn, an dem er sie gesichtet hatte. Die Insel wurde nach dem Besuch von Kolumbus von den Europäern lange Zeit ignoriert. Mehr oder weniger zwangsweise, denn die kriegerischen Kariben setzten sich gegen jeden Eindringling heftig zur Wehr. Erst 200 Jahre nach Kolumbus ließen sich die ersten Franzosen auf Dominica nieder. Deren Herrschaft über die Insel ging zwar im 18. Jh. zu Ende, bildete aber noch lange ein starkes Element unter britischer Oberhoheit. Nun entwickelte sich Dominica wie viele andere Inseln der Kleinen Antillen zu einer plantocracy: Die Geschicke der Insel lenkten reiche Farmer, die ihre Plantagen von afrikanischen Sklaven bearbeiten ließen. Die Krise der Zuckerwirtschaft machte auch vor Dominica nicht Halt, und erst in den 1950er-Jahren brachte der verstärkte Anbau von Bananen wieder etwas Stabilität ins Land. Großbritannien entließ Dominica von 1925 an schrittweise in die Unabhängigkeit, bis 1978 das autonome Commonwealth of Dominica entstand.
Das Landesinnere ist gebirgig, seine Höhenzüge weisen teilweise noch heute vulkanische Aktivität auf, ohne die die Insel nicht entstanden wäre. An den schmalen Küstenstreifen im Westen der Insel und in den flachen Tälern des Inneren breiten sich neben den Siedlungen Bananen-, Kokos- und Zitrusfruchtplantagen aus. An den Hängen der Ostseite finden sich ausgedehnte Regenwälder, die durch die feuchten Atlantikwinde - die schweren Wolken regnen sich hier ab - entstanden sind. Der Regenwald auf Dominica ist ein so genannter Stufenwald, in dem sich unter den Schirmen der Urwaldriesen eine Vielzahl von anderen Pflanzen, z. B. Farne, Palmen, Orchideen, Bromelien und Schlingpflanzen, ausgebreitet hat.
Natürlich sind in diesen Wäldern zahlreiche Vogelarten beheimatet, zu denen der Sisserou gehört, eine seltene Papageienart, die zum Nationalvogel der Insel erklärt wurde. Der im deutschsprachigen Raum auch als Kaiseramazone bekannte Vogel ist leider vom Aussterben bedroht. Inzwischen wird sein Fang und Transport nach Europa und Nordamerika mit drastischen Strafen geahndet. In den Wäldern tummeln sich zudem unzählige Insektenarten, Schmetterlinge und Käfer, die besonders durch ihre prächtigen Farben auffallen. Giftschlangen gibt es auf Dominica nicht, dafür aber die Riesenschlange Boa constrictor, die über 4 m lang werden kann. Die Bewohner der Insel haben große Angst vor der Tête chien (Hundskopfschlange), die sie sofort töten, wenn sie die Möglichkeit haben. Dabei ist die Boa eher scheu und kann dem Menschen trotz ihrer Größe kaum gefährlich werden. Neben verschiedenen kleineren Eidechsenarten lebt auf Dominica der größere Leguan, der seine Verwandtschaft mit den Dinosauriern schon wegen seines Aussehens nicht leugnen kann. Besonders häufig kommt er an der Westküste vor.
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