Argentinien liegt an der Atlantik-Seite des Cono Sur, der Südspitze Südamerikas. Es ist das siebtgrößte Land der Erde und bietet Reisenden eine große Vielfalt an Landschaften und Kulturen.
Das Land an der Südspitze Südamerikas erstreckt sich über 3.500 km von Nord nach Süd und damit von den Tropen bis in die polaren Zonen von Feuerland und den subantarktischen Inseln. Es ist trotz seiner vielfältigen landschaftlichen und kulturellen Attraktionen noch nicht vom Massentourismus heimgesucht worden, wenn man von einigen begrenzten Orten absieht. In vielen Regionen ist der Tourist trotz unglaublicher Natur noch weitgehend auf sich allein gestellt.
Das Land war in den letzten Jahren vor allem wegen der schweren Wirtschaftskrise 2001/02 in den Schlagzeilen. Die in den Medien gezeigten sensationslüsternen Bilder von gewalttätigen Demonstrationen haben durchaus den Eindruck entstehen lassen, im Land sei die Anarchie ausgebrochen, aber die Lage hat sich in Anbetracht der Schwere der Krise, relativ zügig stabilisiert.
Eine gewisse Gleichgültigkeit und Politikverdrossenheit scheinen sich viele Argentinier angeeignet zu haben. Auch sind die Argentinier in dieser Hinsicht ein vergleichsweise ruhiges Volk, die "dem schlechten Wetter ein gutes Gesicht" zeigen, wie ein populäres Sprichwort lautet. Der Reisende wird deshalb feststellen, dass trotz gelegentlicher und durchaus berechtigter Meckereien über Politiker sich die Menschen auf keinen Fall das Leben von der wirtschaftlichen Situation verderben lassen. Wenn es irgendwie geht, wird ein "Asado" gegrillt, getrunken und gefeiert. Der Melancholie und dem Frust wird am deutlichsten im Tango-Gesang Ausdruck verliehen, und schliesslich kehrten auch einige Argentinier ihrem Heimatland nach der Krise frustriert und desillusioniert den Rücken, und wanderten nach Europa in die Länder ihrer Vorfahren aus.
Geschichte
Ungefähr um 15000 vor Christus kamen die ersten Menschen in die Region des heutigen Argentiniens. Bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert entwickelten sich verschiedene sesshafte und nichtsesshafte Stammeskulturen. Ab dem 13. Jahrhundert expandierte das Reich der Inkas zunehmend nach Süden und nahm im 15. Jahrhundert weite Teile Nordwestargentiniens ein.
Die Spanier begannen ab 1502 mit der Eroberung und Kolonisation Argentiniens. Von Peru aus wurde der Nordwesten des Landes (Provinz Jujuy) und von Westen das Flusssystem des Río Plata eingenommen. Ab 1580 war der Rio de la Plata dauerhaft besiedelt. Die Spanier fügten die argentinischen Gebiete dem Vizekönigreich Peru hinzu. 1776 wurde das Vizekönigreich Río de la Plata abgespalten, das neben Argentinien auch aus Bolivien, Paraguay und Uruguay bestand. Seine Hauptstadt wurde das bis dahin weitgehend unbedeutende Buenos Aires, das ab diesem Zeitpunkt schnell seine Einwohnerzahl vervielfachen konnte und sich zum unumstrittenen Zentrum des Landes entwickelte.
Die Mai-Revolution von 1810 in Buenos Aires war Ausdruck erster Unabhängigkeitsbestrebungen, hatte aber keine Außenwirkung. Ein Jahr später spaltete sich Paraguay aus dem Länderverbund ab. Die Unabhängigkeit wurde schließlicham 9. Juli 1816 im Befreiungskrieg gegen die Spanier erreicht. In der Folgezeit spalteten sich dann Bolivien (1825) und Uruguay (1828) ebenfalls von den Vereinigten Provinzen des Río de la Plata ab.
Die weitere Entwicklung Argentiniens im 19. Jahrhundert war durch Diktaturen und einen langen Bürgerkrieg zwischen Buenos Aires und den restlichen Provinzen geprägt, der bis in die 1870er Jahre andauerte. In einem Krieg mit Paraguay (1864-1870) konnte Argentinien die Bundestaaten Misiones, Formosa und Chaco hinzugewinnen. Ab 1880, als die Feindseligkeiten im Land weitgehend beendet waren und Buenos Aires endgültig zur Hauptstadt auserkoren wurde, setzte eine verstärkte Zuwanderung vor allem aus Italien und Spanien ein. In dieser Zeit wurden die politischen Geschicke des Landes hauptsächlich von den reichen Großgrundbesitzern bestimmt. Ein seit den frühen 1890er Jahren bestehender Grenzkonflikt zwischen Chile und Argentinien kann 1902 durch den britischen König Edward VII. beigelegt werden. In der Folge werden Patagonien und Feuerland neu aufgeteilt.
Erst 1912 wird nach langen Bürgerunruhen eine wirkliche Demokratie mit universellem Wahlrecht eingeführt. Diese Phase währt jedoch nur kurz, ab 1930 wird die Politik durch den Wechsel zwischen Militärdiktaturen und demokratischen Regierungen geprägt. Die 1930er Jahre gingen als berüchtigtes Jahrzehnt (décade infame) in die Landesgeschichte ein; in ihnen bestand lediglich ein korruptes Abbild einer Demokratie. Ab 1943 putschen sich verschiedene Militärregierungen in die Macht.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Argentinien offiziell neutral und wurde Ziel vieler Flüchtlinge aus Europa. Negative Bekanntheit erlangte Argentinien nach dem Krieg als Fluchtort für hochrangige Nazis, unter anderem Adolf Eichmann und Josef Mengele. 1946 wird bei den ersten freien Wahlen seit 20 Jahren Juan Domingo Péron nach einer steilen Karriere beim Militär Präsident Argentiniens. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die massive Industrialisierung in das bisher von der Landwirtschaft geprägte Land ein. Perón führt weiterhin weitgehende Rechte für Arbeitnehmer ein, die ihn bei der armen Bevölkerung sehr beliebt machen. Nach einer Wirtschaftskrise Anfang der 50er Jahre nimmt seine Beliebtheit jedoch ab, 1955 tritt er nach schweren Unruhen zurück.
Die Zeit zwischen 1955 und 1983 ist durch politische Instabilität und wechselnde Zivil- und Militärregierungen geprägt. Der Unmut der Bürger über diese Situation entlädt sich in zahlreichen Volksaufständen und Guerilla-Aktivitäten. Auch Perón, der zwischen 1974 und 1975 kurzzeitig wieder Präsident wird, kann den wirtschaftlichen Abstieg nicht stoppen. Ab 1976 installierte sich eine rechte Militärjunta unter Jorge Rafael Videla, unter deren Führung über 30.000 Menschen unter dem Vorwand der Guerilla-Bekämpfung "verschwanden" und umgebracht wurden. In dieser Zeit beginnen auch erneute Grenzstreitigkeiten mit Chile (die 10 Jahre später friedlich beigelegt werden) und im April 1982 besetzt Argentinien die zu Großbritannien gehörenden Falklandinseln (argentinisch Islas Malvinas). Am 14. Juni 1982 endet der Falklandkrieg mit der Kapitulation Argentiniens, was den Abstieg der Militärregierung besiegelt. Sie hinterlässt ihren Bürgern eine schwere Wirtschaftskrise und Auslandsschulden, unter denen das Land noch heute leidet.
Ab 1983 zieht die Demokratie wieder in das Land ein. Neuer Präsident wird Raúl Alfonsín, der jedoch nach einer schweren Wirtschaftskrise 1989 mit Hyperinflation zurücktritt. Nachfolger wird Carlos Menem von der Peronistischen Partei, der mit der Kopplung des Dollar an den Peso scheinbar endlich die ersehnte wirtschaftliche Stabilität schafft. Ab 1998 führt seine zweifelhafte und korrupte Geldpolitik zu einer weiteren Wirtschaftskrise. Erst wird Menem 1999 abgelöst, und schliesslich 2001 auch Fernando de la Rúa, nachdem bekannt wurde dass Argentinien ab sofort keine weitere Kredite des IWF mehr gewährt werden. Unruhen im ganzen Land enstanden und erreichten ihren Höhpunkt nach dem Erlassen einiger zweifelhafter Beschlüsse diverser Interimspräsidenten, welche teilweise nur wenige Tage im Amt verweilten. Unter anderem wurden sämtliche Bankkonten eingefroren und der Peso vom Dollar entbunden und somit eine neue Inflation eingeleitet, die das Argentinische Volk mit einem Bruchteil seiner Ersparnisse zurückliess. Bis 2003 wird das Land von einem Interimspräsidenten und nach einer chaotischen Wahl 2003 von Néstor Kirchner geführt. Unter dem wegen seiner liberalen Innenpolitik und auch wegen seiner Aussenpolitik nicht unumstrittenen Links-Peronisten Kirchner, scheint sich Argentinien zumindest wirtschaftlich und politisch langsam zu erholen.
Geografie
Etwa ein Drittel Argentiniens kann als Gebirge angesehen werden. Das Land wird im Westen von den Anden begrenzt, dem höchsten Gebirge Amerikas. Hier liegt der höchsten Berg der westlichen Hemisphäre, Aconcagua mit 6.959 m Höhe, sowie der höchste Vulkan der Welt, Monte Pissis mit 6.882 m Höhe. Der gesamte Nordwesten des Landes ist von zahlreichen Gebirgszügen durchzogen, die verschiedenen Vegetationszonen angehören. Der Osten Argentiniens ist abgesehen von einigen niedrigeren Gebirgszügen in den Provinzen Misiones und Buenos Aires flach. Hier liegt die berühmte, endlose Pampa-Ebene. Der Süden, Patagonien, ist dagegen ein Schichtstufenland mit Mesetas, tiefen Canyons und bis zu 3.000 m hohen Mittelgebirgen.
Argentinien hat insgesamt etwa 4.700 km Atlantikküste. Der nördliche Teil davon (in der Provinz Buenos Aires bis Bahía Blanca) fällt relativ flach zum Meer hin ab und ist von Dünen, weiten Sandstränden und kurzen Steilküsten geprägt. In Nordpatagonien gibt es ein ausgedehntes Wattenmeer, das etwa von Bahía Blanca bis Viedma reicht. Südlich von Viedma dominiert eine Steilküste mit Buchten und vorgelagerten Sandstränden. Im südlichen Feuerland dagegen ist die Küste bergig und felsig.
Die wichtigsten und längsten Flüsse sind der Río Paraná und der Río Uruguay im Osten des Landes, die sich im breiten Río de la Plata vereinigen und in den Atlantik münden. Weiterhin bedeutend, aber weniger wasserreich und in der Trockenzeit z.T. nur Bäche, sind der Río Bermejo-Teuco im Norden, der Río Salado im zentralen Osten und der Río Bermejo-Salado-Desaguadero, der sich durch den gesamten Westen bis nach Patagonien hinzieht. Im Süden befinden sich die Flüsse Río Colorado, Río Neuquén-Negro, Río Chubut, Río Deseado, Río Santa Cruz und Río Gallegos, die die Südanden nach Osten hin entwässern.
Größter See Argentiniens ist die Laguna Mar Chiquita in der Provinzen Córdoba und Chaco, ein flacher Salzwassersee mit 5.770 Quadratkilometern Fläche. Es folgen mit weiten Abstand die Seen der Südanden, wo sich am Fuß der Berge eine endlose Kette von Seen herausgebildet hat, wie der Lago Argentino (1.400 qkm) und der Lago Viedma (1.050 qkm). Ebenfalls viele Seen gibt es in der Pampa-Ebene, die meist nur sehr flach sind, aber bei längeren Regenzeiten beträchtliche Ausmaße annehmen können und dann oft sehr viele Orte und Straßen überschwemmen.
Flora und Fauna
Die Flora und Fauna Argentiniens ist in den jeweiligen Gebieten sehr unterschiedlich.
Es gibt vier Urwaldgebiete: der subtropische Regenwald von Misiones, der ebenfalls subtropische Nebel- und Regenwald in Tucumán und Salta, der gemäßigte, inzwischen fast vollständig abgeholzte Feuchtwald am Río Paraná und Río de la Plata (selva marginal) und der subpolare Regenwald der Südanden. Während die ersteren beiden Vegetationszonen sehr artenreich und dicht sind, ist dies für den Wald am Río Paraná und dem der Südanden weniger der Fall. In den subtropischen Urwäldern gibt es z.B. diverse Affenarten, viele Vogelarten (z.B. Tukane, Kolibris), Reptilien und Amphibien sowie eine Vielzahl von Insekten.
Der Trockenwald des Chaco wird wegen seiner teils wertvollen Bäume wie Algarrobo, Quebracho etc. stark von der Forstwirtschaft ausgebeutet. Auffällig ist in ihm die Vielfalt von Kakteen-Arten. Er ist Heimat verschiedener Kleintiere, Hasen, Mäuse, Füchse und Vizcachas (großes Nagetier) aber auch Raubtieren wie dem Jaguar und dem Puma. Eine ähnliche Flora und Fauna findet man in der trockenen Pampa, in den Sierras Pampeanas, in den Ebenen des Cuyo im Westen sowie in der patagonischen Meseta, die zusammengefasst als "Monte" bezeichnet werden. In einigen Seen der gesamten halbtrockenen Gegenden kann man Flamingos finden.
Auf der Puna und in den Anden besteht die Vegetation hauptsächlich aus dürren Gräsern und Dornsträuchern. An Tieren stechen insbesondere die verschiedenen Lama-Arten hervor. Das häufigste ist das Guanaco, das in ganz Argentinien bis weit nach Patagonien verbreitet ist. Nur im Nordwesten findet man auch das normale Lama und das wegen seiner Wolle vom Aussterben bedrohte Vicuña. Bemerkenswert ist auch der Kondor, der größte Raubvogel der Welt, mit einer Flügelspannweite von bis zu 3 m. Er ist auch in den Sierras Pampeanas anzutreffen.
Die weiten Flächen der Pampa waren ursprünglich baumlos, eingeführte Baumarten gedeihen jedoch sehr gut. Die wilde Fauna beschränkt sich wegen der Ausrottung durch den Menschen auf Kleintiere wie Hasen und Gürteltiere.
Die Atlantikküste ist Heimat einer Fülle von Meerestieren. Es gibt eine Reihe von Wal- und Delphinarten, am nächsten an die Küste kommen die Ballena Franca Austral, der Orca ("Killerwal") und der Tonina (ein schwarz-weißer Delphin). Zudem gibt es Seehunde, See-Elefanten, Seelöwen und Robben. Die Fischarten sind unzählbar, heraus stechen verschiedene kleinere Hai-Arten insbesondere in Nordpatagonien. In einigen Buchten Südargentiniens leben Pinguine.