Von allen Orten der Insel sicher der schönste: alt und nobel, mit einem „gesunden“ Lebensrhythmus und dabei sauber und zu Entdeckungsgängen einladend
Obwohl mit knapp 28000 Einwohnern nur unwesentlich kleiner als Maó, legt Ciutadella einen gemächlicheren Lebensrhythmus an den Tag als die quirlige Konkurrenzmetropole. Die Menschen scheinen hier mehr Zeit zu haben als am geschäftigen Ostpol der Insel.
Der Alltag verläuft gleichmäßiger, vielleicht auch etwas menschlicher. Hier wagt es der Barbier noch, sich mit Klappstuhl und Strandsandalen ein bisschen in der sinkenden Sonne vor dem eigenen Laden zu wärmen, wenn ihm nachmittags die Bärte ausgehen, hier grüßt man oft auch noch den Fremden mit einem kurzen Kopfnicken, und hier haben sich auch die Älteren noch eine Menge zu sagen, meist bei dichtem Zigarrenqualm und in einer angeregten tertulia (Gesprächskreis) im Cercle Artìstic oder im Schatten des Obelisken, der wie ein mahnender Finger über der Plaça d'es Born an die Zerstörung der Stadt durch türkische Piraten erinnert. Weit über 400 Jahre sind seit jenem blutigen Überfall inzwischen vergangen. Über 3000 Menschen wurden damals versklavt, die Stadt geplündert und geschleift, sodass man gezwungen war, wieder bei Null anzufangen.

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