Von Greasy Spoons zu Gourmettempeln
Die Lachnummer der Gourmetwelt ist britisches Essen heute nicht mehr. London hat mittlerweile über vierzig Michelin-ausgezeichnete Restaurants und erfüllt alle kulinarischen Sonderwünsche: von äthiopisch bis zypriotisch, über koscher-chinesisch, Knoblauchküche und glutenfreie Kost bis zur Erlebnisgastronomie.
Im Zeichen von Modern British, Modern European oder Asian Fusion kommen spannende, manchmal auch etwas überkandidelte Zusammenstellungen auf die Teller. Derweil sind die Briten selbst eine Nation von Hobbyköchen geworden, inspiriert von Fernsehköchen wie der soliden Delia Smith, dem lockeren Naked Chef Jamie Oliver oder der sinnenfrohen Nigella Lawson.
Londoner machen sich nur am Wochenende die Mühe, ein klassisch britisches Frühstück mit Eiern und Bacon zuzubereiten, und gönnen sich zunehmend einen herzhaften Restaurantbrunch. Wochentags gibt es in funktional eingerichteten caffs superbillig einen Becher Tee, baked beans (weiße Bohnen in Tomatensauce) auf Toast, Spiegeleier und sausages (Würstchen). Die caffs sind Teil britischer Arbeiterklassenkultur und werden wegen ihres hohen Anteils an Fettgebratenem auch greasy spoons („fettige Löffel“) genannt. Immer mehr im Trend: biologische (organic) und fair gehandelte (fair trade) Produkte. Außer Haus bekommt die Tasse Tee, oder cuppa, immer größere Konkurrenz von Cappuccino und Milchkaffee (latte). Einen Starbucks oder Costa Coffee finden Sie an jeder Ecke.
An Arbeitstagen machen die Briten nur kurze Mittagspausen; oft muss ein schnelles Sandwich am Schreibtisch genügen (lecker sind die von Prêt-à-Manger). Das Abendessen hat in England viele Namen: vom tea zwischen halb sechs und sieben über supper für ein leichtes Abendessen bis zum formelleren dinner. In Restaurants heißen Vorspeisen starters, Hauptgerichte main courses und Nachspeisen desserts, im normalen Sprachgebrauch puddings. Beilagen sind side dishes. Auf den meisten Restaurant-Websites finden Sie die Speisekarte. Praktisch überall werden auch veggie-Alternativen angeboten, denn etwa neun Prozent der Londoner sind Vegetarier oder Veganer.
Das britische Äquivalent zum „Italiener“ bei uns sind indische Restaurants. In Chinatown gibt es All-you-can-eat-Büfetts zum Sattessen ab £ 5. Empfehlenswerte Restaurantketten sind Pizza Express (
http://www.pizzaexpress.com) und Wagamama (japanisch, jung,
http://www.wagamama.com). Tischreservierung ist bei vielen Restaurants vor allem am Wochenende nötig. Die Gourmettempel sind mitunter schon Wochen im Voraus ausgebucht. Über die Website
http://www.toptable.co.uk sind Online-Tischreservierungen - häufig zu Spezialpreisen - möglich. Restaurants servieren meist 12-15 und 18-23 Uhr (sonntags früher), die Öffnungszeiten der Cafés variieren. Theater- oder Kinogängern bieten viele Restaurants von 17.30-19 Uhr ein pre-theatre meal.
Afternoon Tea
Very English! Einen traditionellen Afternoon Tea in einem schicken Hotel sollten Sie sich unbedingt einmal gönnen: Mini-Sandwiches mit Gurkenscheiben, Lachs oder Ei und Kresse, scones mit Sahne und Erdbeermarmelade und Patisserien. Immer beliebter: das Glas Champagner dazu.