Gaumenfreuden und Geselligkeit
Wer sich die kulinarischen Genüsse Kataloniens auf der Zunge zergehen lässt, kommt nicht nur auf den Geschmack, sondern auch Land und Leuten auf die Spur.
Im Essen spiegelt sich der widersprüchliche Charakter der Katalanen, stets schwankend zwischen seny und rauxa, zwischen ausgleichender Vernunft und eruptiver Phantasie. „Erschmecken“ Sie also das Land in seltsam-köstlichen Kombinationen von süß und pikant, von Fisch und Fleisch, die auf Katalanisch mar i muntanya heißen, Meer und Berg. Da bilden nicht nur Kontraste ein harmonisches Ganzes, da spiegelt sich auch die reizvolle Vielfalt der katalanischen Landschaft: raue Bergwelt, saftige Täler, die bald felsig-schroffe, bald sanfte Mittelmeerküste. Deftige Eintöpfe und Spezialitäten aus Wurst, Wild, Waldpilzen, Lamm oder Hülsenfrüchten stammen eher aus dem Hinterland. Die Speisen der Küstenregion sind leichter, vor allem durch das Angebot an frischem Fisch und Meeresfrüchten.
Das Talent, aus einfachen Zutaten phantasievolle Gerichte zu zaubern, ist ein Merkmal der katalanischen Küche - neben der baskischen gilt sie als beste Spaniens. Und ein Katalane wird als bester Koch der Welt gefeiert: Ferran Adrià machte das Restaurant El Bulli bei Figueres zum internationalen Mekka der kulinarischen Avantgarde. Vergeuden Sie Ihre Zeit also nicht in einem der vielen Fastfoodlokale. Preisgünstig essen können Sie besser anderswo. In unzähligen Lokalen und Bars der Stadt gibt es täglich ein billiges Mittagsmenü, das menú del día: Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch bekommen Sie schon ab 8 Euro, oft einschließlich eines Getränks. Auch Cafés bieten mitunter einen günstigen Mittagstisch.
Katalonien ist ein Weinland. Das bedeutendste Anbaugebiet liegt südlich von Barcelona im Penedès, mit Sant Sadurní d'Anoia als Sekthochburg (ein Ausflug lohnt sich!). Vor allem die leichten, fruchtigen Weißweine des Penedès sind zu empfehlen. Die besten katalanischen Rotweine kommen aus dem Priorat; dunkel, dicht und aromatisch sind sie; einige gehören zur Weltspitze.
Nach dem Essen bestellt man cafè i copes, Kaffee und ein Gläschen Kognak, Schnaps oder Likör. Die Katalanen sitzen gern nach Tisch weiter zusammen: sobretaula heißt dieser Brauch. Das Essen dient nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern ist auch Begegnung, Kommunikation, gemeinsames Genießen.
Die Katalanen essen spät: abends ab etwa 21 Uhr, mittags nicht vor 14 Uhr - jeweils warm, mit zwei Gängen und Dessert. Dafür fällt das Frühstück bescheiden aus: meist Milchkaffee und croissant, Hörnchen, hastig eingenommen in einer der bars, die es in Barcelona an jeder Ecke gibt.
Diese bars dienen je nach Tageszeit als Café, Imbiss, Restaurant oder Kneipe. Hier verabredet man sich mit Freunden, Verwandten oder Nachbarn auf einen Kaffee oder ein Bier - kurzum: Die bars sind so etwas wie große Wohnzimmer, in denen sich ein Teil des Alltagslebens abspielt. Hier bekommen Sie meist auch ein paar Tapas, die kleinen Appetithappen, falls Ihnen die Zeit bis zur nächsten Mahlzeit zu lang wird.
Denken Sie daran, dass es in Spanien nicht üblich ist, sich zu anderen an den Tisch zu setzen - selbst wenn dort noch Plätze frei sind. Auch getrennte Rechnungen sind unüblich. In vielen Restaurants ist Reservierung zu empfehlen, insbesondere freitags und samstags! An Sonn- und Feiertagen schließen viele Lokale, vor allem aber im Juli und August (für ein bis drei Wochen). In dieser Zeit sollten Sie in jedem Fall vorher anrufen! Die meisten Restaurants haben mittags von ca. 13-16 Uhr und abends von ca. 21-24 Uhr geöffnet. Viele populäre Lokale liegen in der Altstadt: Nehmen Sie vor allem abends lieber ein Taxi!
Granges
Granges heißen die traditionellen Milchbars, in denen Sie heiße Schokolade, Kaffee und frisches Gebäck bekommen. Cafés sind oft von morgens bis spätabends geöffnet und bieten auch herzhafte Kleinigkeiten an.
Tavernen & Bodegas
In dieser Mischung aus Kneipe und Weinkeller gibt es auch etwas zu essen. Sie sind meist von mittags bis spätabends geöffnet.