Ein steinerner Irrgarten als Gesamtkunstwerk
Am Anfang, so schreibt es der millionenfach erprobte Besichtigungskanon vor, steht die Fahrt über Venedigs Prachtboulevard, den Canal Grande.
Man besteigt am Bahnhof oder neben der Autogarage am Piazzale Roma ein vaporetto der Linie 1 - eine jener schwimmenden Straßenbahnen, die angenehm gemächlich von Station zu Station tuckern - und lässt das 2,5 km lange Spalier von Palast- und Kirchenfassaden vorbeidefilieren. Danach beginnt, was viele als das eigentliche Venedigerlebnis preisen: das stundenlange, ziellose Flanieren durch diesen einzigartigen, über ein Jahrtausend gewachsenen Irrgarten aus Stein.
Aus sechs Bezirken besteht das centro storico, das alte Venedig. Auf den ersten, oberflächlichen Blick mag man meinen, deren Gassenlabyrinthe würden einander gleichen. Doch in Wahrheit verströmt jedes der sechs sestieri sein eigenes, ganz spezifisches Flair. Für alle sechs sestieri gilt: Nicht jede Route ist planbar. Sie sollten getrost auch mal für ein paar Stunden dem Zufall die Regie überlassen. Denn nur so, durch - unfreiwillige - Abstecher und Umwege, durch verirrte Blicke in Sackgassen und Hinterhöfe lernen Sie das verborgene, stille und in gewissem Sinne echte Venedig mit seinen unzähligen kleinen Attraktionen kennen. Und fühlt man sich an einer Stelle einmal wirklich verloren, weist nach kurzem Suchen ganz gewiss an einer Hausecke eines der rettenden gelben Schilder den Weg hinaus Richtung „Rialto“, „San Marco“ oder „Ferrovia“ (Bahnhof).
Venedig besitzt, seine von einzigartigen Schätzen strotzenden Kirchen gar nicht mit eingerechnet, mehrere Dutzend Museen - von weltberühmten Kunstschreinen wie der Gemäldegalerie der Accademia, dem Dogenpalast oder der Collezione Peggy Guggenheim bis zu vergleichsweise kleinen, aber nichtsdestotrotz sehr sehenswerten Sammlungen wie jenen von Muranoglas, Klöppelspitzen, Ikonen oder Judaika.
Diese Fülle verdankt die Serenissima in erster Linie ihrer einstigen Macht. Waren es doch die Dogen selbst, die in ihrer Repräsentier- und Sammellust aus allen Teilen des Seereiches Gemälde und andere Preziosen zusammentragen ließen und daheim in der Lagunenstadt die besten Architekten, Maler und Kunsthandwerker beschäftigten. Doch auch die Adligen und reichen Kaufmannsfamilien trugen mit ihrem Stilgefühl und ihrer Großzügigkeit maßgeblich zu jener Dichte an einzigartigen Kostbarkeiten bei, an der wir Nachgeborenen uns heute erfreuen.
Eine Besonderheit stellen Venedigs scuole dar. Dabei handelt es sich nicht etwa um Schulen, sondern um Bruderschaften, deren Mitglieder sich im Namen auserwählter Schutzheiliger und zum Nutzen weniger privilegierter Bevölkerungsgruppen karitativ betätigten. Einige besonders imposante und kostbare Versammlungshäuser - am berühmtesten: die Scuola Grande di San Rocco - sind heute als Museen öffentlich zugänglich.
Ziemlich unpraktisch ist die Tatsache, dass sowohl Schließtage als auch Öffnungszeiten stark variieren und sich häufig ändern. Auch die Bedingungen für ermäßigte Eintritte sind sehr unterschiedlich. Jedenfalls lohnt es sich, danach zu fragen und gegebenenfalls einen Ausweis dabeizuhaben.
Die Eintrittspreise für die Museen beginnen bei 1,55 Euro (Museo Storico Navale) und gehen bis zu 6,50 bzw. 7 Euro (Accademia bzw. Scuola Grande di San Rocco). Eine günstige Gelegenheit, alle vier an der Piazza San Marco gelegenen Museen preiswert zu erkunden, bietet die drei Monate gültige Museum Card für 12 Euro. Der Museum Pass für 18 Euro schließt zusätzlich sämtliche städtischen Museen ein. Auch die drei staatlichen Museen - Accademia, Galleria Franchetti und Museo d'Arte Orientale - bieten für 11 Euro eine Kombikarte. EU-Bürger unter 18 und über 65 genießen in diesen drei freien, 18- bis 25-Jährige reduzierten Eintritt (5,50 Euro).
Die besten Übersichten im Internet bietet die offizielle Website des Tourismusverbandes | http://www.turismovenezia.it (auf Englisch, aber leicht zu navigieren). Die elf städtischen Museen präsentieren sich (auch auf Englisch) unter http://www.museiciviciveneziani.it.
16 der kunsthistorisch bedeutsamsten Kirchen haben sich zur Associazione Chiese di Venezia/Chorus (Tel. 0412750462 |
http://www.chorusvenezia.org) zusammengeschlossen. Der Chorus Pass, ein Sammelticket für 8 Euro (Studenten bis 29 Jahre 5 Euro, Familienpass 16 Euro), berechtigt zeitlich unbegrenzt zum Besuch aller dieser Gotteshäuser. Der Einzeleintritt zu den wichtigen Kirchen liegt meist bei 2,50-3 Euro.