Nicht ohne meine Pasta!
Für die modernen Römer liegt Kunst nicht unbedingt im Barock, in Marmorbüsten und antiken Trümmern, sondern in den alltäglichen Lebensgenüssen.
Was schert sie der wegen Restaurierung trocken gelegte Berninibrunnen, solange nur der Cappuccino in ihrer kleinen Bar an der Piazza schäumt. Was kümmern sie Regierungskrisen, Streik oder der höllische Verkehr, solange nur die Mamma die Spaghetti al dente kocht. Essen, zu Hause oder im Ristorante, ist nun mal der Italiener Leidenschaft.
Es gibt bei den Nachfahren des Lucius Lucullus, der natürlich Römer war, keinen nudelfreien Tag. Hat nicht schon Marcus Gaius Apicius -, ältester Kochbuchautor der Welt des 1. Jhs. n. Chr. - 100 verschiedene Spaghettisaucen aufgezählt? Pastaläden bieten oft mehr Auswahl und Vielfalt als Spielzeuggeschäfte. Das Angebot reicht von agnolotti, den fleischgefüllten Teigtaschen, bis zu den halbmondförmigen Nudeln, den strozzapreti (Priesterwürger).
Im Essen sind die Italiener wahre Genießer. Das Frühstück ist zwar eher dürftig, aber zwei warme Mahlzeiten, mittags und abends, sind Pflicht. Bis vor kurzem hielt man noch streng an mehreren Gängen fest. Im historischen Zentrum haben die Touristen die Sitten gelockert, sodass Sie nach einem üppigen primo mit einem Salat gut davonkommen. Die meisten Römer kürzen heute auch beim dolce, der Süßspeise, ab und belassen es bei einem schwarzen caffè, zu deutsch Espresso. Gegessen wird mittags zwischen 13 und 15 Uhr, abends öffnen die Restaurants gegen 19.30 Uhr. Dann gibt es noch Platz. Möchten Sie aber später essen, empfiehlt es sich zu reservieren.
Beim Trinken lieben es die Italiener traditionell. Zu Tisch nehmen sie meist einen leichten, offenen Wein (vino sfuso/vino di casa), der gut und billig ist - und trocken, das versteht sich von selbst. Ein DOC- oder DOCG-Zeichen auf dem Flaschenetikett garantiert Region und Lage. Gern werden Weißweine aus den nahen Castelli Romani, z. B. Frascati, getrunken. Beliebt sind auch der frische Orvieto, Vernaccia di S. Gimignano und der trockene Verdicchio.
Es gibt übrigens in Italien kein Pendant zur deutschen Kneipe. Jeder Restaurantbesitzer wird Sie komisch angucken, wenn Sie nur ein kleines Bier bestellen. Auch in einer Pizzeria wird erwartet, dass Sie zumindest eine Kleinigkeit zum Essen bestellen. Falls Sie Weinliebhaber sind, bietet sich eine vinoteca, Weinbar, für den Ausklang des Abends an.
Zum Schluss wird bezahlt - für Italiener ein Ritual: Der Kellner bringt die Rechnung (il conto) auf einem Tablett - 15 Prozent Service meist inbegriffen - und gibt bis auf den Cent genau das Wechselgeld zurück. Wenn Sie zufrieden waren, lassen Sie bis zu fünf Prozent auf dem Zahlteller liegen. Leider haben Service und Freundlichkeit besonders in den Touristenzonen in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Verlangen Sie übrigens stets eine offizielle Rechnung (ricevuta fiscale), da die Finanzpolizei manchmal kontrolliert.
Auch Eis essen hat in Italien seine festen Rituale: So fragt Sie der gelataio zuerst, ob Sie cono oder coppa, Waffel oder Becher, möchten. Dann bestimmen Sie die Größe Ihres Eises nach dem Preis von 2, 3 oder 4 Euro - Kugeln sind in Bella Italia unbekannt - und wählen schließlich die gusti, die Geschmacksrichtungen.