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Foto von haidegger
In einer Hinsicht sind die Carolinas sehr unamerikanisch: Mit 80 000 km² und 4,1 Mio. Einwohnern (South Carolina) bzw. 136 000 km² und 8,4 Mio. Einwohnern (North Carolina) haben sie europäische Maße. In allem anderen sind sie umso amerikanischer. Es gibt romantische Antebellumstädte wie Charleston, die »Grande Dame« des Alten Südens, wo Alteingesessene es unschicklich finden, dass die in Savannah so schamlos touristischen Nutzen aus dem Clint-Eastwood-Film »Mitternacht im Garten von Gut und Böse« ziehen. Es gibt stocknüchterne Banken- und Hightechzentren wie Raleigh und Spartanburg, deren einzige raison d'être die Profitmaximierung ist. Es gibt mehr Baumarten in den Blue Ridge und Smoky Mountains als in Europa, und in manch einem entlegenen Tal wird Schwarzbrennerei schon so lange betrieben, dass viele Sheriffs nichts mehr dabei finden. Auf den Inseln der Outer Banks finden gestresste Großstädter stets ein paar Hundert Meter Strand für sich allein. Myrtle Beach dagegen ist Disneyland am Meer, und die Grand Strand genannte Küste von hier bis fast nach Georgetown ist zu einem einzigen Baderesort zusammengewachsen. Im Beaufort County südlich von Charleston wiederum lebt es sich noch so langsam wie im Kinohit »Forrest Gump«, der gerade deswegen hier gedreht wurde: Weiße Krabbenfischerboote gleiten durch seegrasbedeckte Priele aufs Meer hinaus, Familien beschließen den Tag in Schaukelstühlen unter Magnolienbäumen.
Während des Antebellums erlebten die Carolinas ihre Blütezeit. Die arbeitsintensive, auf Sklavenarbeit basierende Plantagenwirtschaft boomte. In South Carolina stellten Sklaven über die Hälfte der Bevölkerung, in North Carolina war es ein Drittel. Die indianische Urbevölkerung spielte zu diesem Zeitpunkt schon keine Rolle mehr. Die Cherokee traf es als letzte. Immer mehr gerieten sie mit den landhungrigen USA über Kreuz, bis Washington 1835 die Ausweisung der letzten 15 000 dieses Stammes anordnete. Auf dem berüchtigten »Trail of Tears« nach Oklahoma kamen Tausende ums Leben.
Seit den 1960er-Jahren wirbt South Carolina mit günstigem Investitionsklima erfolgreich um ausländische Industriebetriebe. BMW hat den Ruf gehört: In Greenville-Spartanburg baut der Autohersteller den Z 3 Roadster. In North Carolina siedelten sich viele internationale Unternehmen an. Die verarmten Rückzugsgebiete in den Appalachen setzen dagegen verstärkt auf den Tourismus.
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North Carolina - 12.2009 erstellt von sfmoored am 2009-11-22 20:59:52
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