Geschichten über Schatzsucher, Schmuggler und versunkene Schiffe, über Ernest Hemingway, Humphrey Bogart und das süße Leben der Boheme haben den Florida Keys ein weltfernes, abenteuerliches Image verschafft. So, als wären diese Inseln, die sich als 180 km lange Kette vom Festland aus bis fast nach Kuba ziehen, stärker miteinander verbunden als nur durch den Overseas Highway, der mit 42 Brücken, darunter die 11 km lange Seven-Mile-Bridge, die Autofahrt über das offene Meer ermöglicht. Doch in Wirklichkeit sind zahllose der 1000 kleinen Kalkstein- und Mangroveninseln gar nicht bewohnt, und die, auf denen Menschen leben, unterscheiden sich nicht nur durch Form, Pflanzenbewuchs und Tierbestand.
Selbst die 150000 Insulaner setzen sich aus den verschiedensten Gruppierungen zusammen. Auf der größten Insel, Key Largo, leben vor allem Rentner und Pendler, die auf dem Festland arbeiten. In der Mitte - zwischen Islamorada und Marathon - dominieren die Freizeitfischer mit ihren Booten. Die größte Vielfalt an Charakteren finden Sie am äußersten Punkt in Key West. Hier leben die so genannten Conchs (sprich: Konks), Alteingesessene, die sich nach einer Muschelart benannt haben, eine große gay community, kubanische Flüchtlinge, Künstler und Studenten, die allesamt dem langsamen Tempo des Archipels, dem key spirit, huldigen.
Erschlossen wurden die Inseln wie Palm Beach und Miami 1912 von Eisenbahnkönig Henry Flagler. Um die Verbindung zu bauen, ließ er auf halbem Weg - zwischen Vaca Key und Bahia Honda Key - die Seven-Mile-Bridge errichten, die 1982 auf 546 neue Betonpfeiler gestellt wurde. Die Eisenbahn fuhr nicht lange. Ein Hurrikan fegte 1935 einen Großteil der Brücken und Bahnanlagen weg. Beim Neuaufbau diente das Gleisbett als Gerüst für die Verlängerung der US 1, dem Overseas Highway, der einzigen Verkehrsverbindung der Keys.
Erst mit dem Auto kamen die kleinen grünen Mile Marker (MM), Meilenschilder, die auf den Keys die Hausnummern ersetzen und die genaue Kenntnis der vielen Inselnamen erübrigen. Gerechnet wird von Key West aus, exakt von dort, wo ein bunter Betonpfeiler »den südlichsten Punkt der Kontinental-USA« markiert.
Wahrzeichen der Keys ist das türkisfarbene, klare Wasser. Unter der Wasseroberfläche jedoch sieht es ernst aus. Die äußerst empfindlichen Korallenriffe werden immer stärker in Mitleidenschaft gezogen: 4 Mio. Besucher pro Jahr hinterlassen ihre Spuren, das Entsorgungsproblem ist trotz strengster Umweltgesetze noch nicht zufrieden stellend gelöst....
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