Die zweite Stadt auf Rhodos (knapp 5500 Ew. - ab 5000 wird in Griechenland ein Ort zur Stadt) ist ein Beispiel dafür, dass Tourismus nicht gleichbedeutend sein muss mit dem Verschwinden all dessen, was einen großen Teil der Faszination des Orts ausmacht: alte, weiß gekalkte Häuser, holprige Gassen, Menschen, die immer mehr Zeit zu haben scheinen als die Besucher aus dem hektischen Mitteleuropa. Seit ein paar Jahren kommen besonders Deutsche und Niederländer in immer größeren Scharen in das »Erzengel«-Dorf (so die Übersetzung des Ortsnamens). Die Hotels liegen fast alle im modernen Ortsteil. Im historischen Zentrum kann man nur Apartments und Privatzimmer mieten. Die Feriengäste sind im »alten« Archángelos nicht mehr als ein paar Farbtupfer, die den Alltag beleben - und Geld in den Kassen der Souvenirläden lassen. Kinder im blauen Schulkittel warten an der Haltestelle auf den Bus, der sie nach Hause bringt, in eines der umliegenden Dörfer ohne eigene Schule. Frauen mit den typischen Kopftüchern gehen gemächlich vorbei, eine unförmige Einkaufstasche in der Hand, und verschwinden in einem der Läden. Die sehen in Archángelos oft aus wie noch vor 20 Jahren überall in Griechenland: klein, niedrig, dunkel, voll gestopft. Meist ist das Angebot viel größer, als ein erster Blick vermuten lässt. In Schubladen und Schuhkartons verbirgt sich womöglich genau das, was die Kundin gerade sucht.
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