Auf den Autokennzeichen preist sich Arizona als der Grand Canyon State und rühmt sich damit eines wahren Weltwunders. Doch typisch für den knapp 300 000 km² großen Staat ist die Riesenschlucht in seinem äußersten Norden keineswegs. Typisch und als Reiseerinnerung am nachhaltigsten ist stattdessen das imposante Nebeneinander extremer Kontraste.
Überraschend schnell, oft schon nach ein paar Highwaykurven, wechseln dichte Nadelwälder mit dürren Wüsten ab, über denen die beeindruckenden Saguarokakteen wie ein Wald von Telegrafenmasten aufragen. Einmal stehen Sie in einem anscheinend gottverlassenen staubigen Westernnest, wo jeden Moment John Wayne aus dem Saloon kommen könnte, doch einige Minuten Fahrt weiter plätschern künstliche Wasserfälle zwischen den Palmen einer luxuriösen Ferienanlage. Auch das Klima wechselt stark: Klirrende Kälte ist zu Weihnachten in den Skigebieten bei Flagstaff ebenso normal wie flimmernde Backofenhitze um Phoenix und Tucson im Sommer. Die Mischung macht es also in Arizona - auch was Kultur und Sprache angeht. Die alteingesessenen Indianerstämme haben ihre in sich abgeschlossenen Enklaven, während die moderne amerikanische Freizeitkultur in und um die größeren Städte ihren Niederschlag in Shoppingmalls und Wasserparks findet. Und der Einfluss des nahen Mexiko in Küche, Kunst und Architektur ist nicht zu übersehen.
Vor 150 Jahren noch war Arizona der wildeste Teil des Wilden Westens - Revolverhelden terrorisierten die Bergbaustädte, die Apachen und die Navajos führten blutige Überfälle gegen vordringende Siedler - und wurden dann in bitteren Vernichtungsfeldzügen von der US-Kavallerie »befriedet« und in Reservate abgedrängt. Doch sie haben überlebt und zählen heute sogar zu den am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppen. Die Navajos, deren Reservat im Nordosten Arizonas so groß ist wie Bayern, sind heute der größte Stamm der USA.
Superlative hört man oft in Arizona, gewaltige Dimensionen sind an der Tagesordnung. So liegen hier etwa die beiden größten Stauseen Amerikas, Lake Mead und Lake Powell, die Wasser und Strom für die aufstrebenden Großstädte liefern. Doch andererseits bedrohen die Dämme und Kunstseen auch die Ökosysteme rund um den Flusslauf des Colorado River - extreme Kontraste auch hier in Politik und Umweltschutz.
Reisen in Arizona - das sind viele Stunden auf dem Highway, umgeben von Steppe, Kakteen und Route-66-Nostalgie. Das ist ein Sonnenuntergang am Lagerfeuer einer Gästeranch ebenso wie ein Bad in der künstlichen Lagunenlandschaft eines Resorthotels in Scottsdale. Das sind atemberaubende Einblicke in die Erdgeschichte und spontane Kontakte mit offenen, gastfreundlichen Menschen. Und weitere Überraschungen warten vielleicht schon hinter der nächsten Kurve....
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