Eine Säule blieb stehen
Das bedeutendste antike Heiligtum der Insel liegt im Westen der Küstenebene Kámbos Chóras nahe dem heutigen Ort Iréon und dem Meer. Deutsche Archäologen arbeiten bereits seit 1925 an seiner Freilegung. Imposante Bauten wie auf der Athener Akropolis oder in Délphi darf man hier freilich nicht erwarten. Alles, was noch vom antiken Glanz zeugt, ist eine einzige aufrecht stehende Säule, die im Altertum allerdings doppelt so hoch war: über 20 m. An dieser Stätte wurde wahrscheinlich schon in mykenischer Zeit eine Fruchtbarkeitsgöttin verehrt. Als Sámos dann um 1000 v. Chr. von ionischen Griechen besiedelt wurde, weihten sie das Heiligtum Hera, ihrer höchsten Göttin. Zunächst standen hier wohl nur ein einfacher, offener Schrein zur Aufnahme des Kultbildes in Form eines Holzbretts und ein Keuschlammstrauch, von dem angenommen wurde, er sei der Göttin heilig. Im 8. Jh. v. Chr. erbaute man ihr dann einen ersten, kleinen Tempel aus Lehmziegeln, der etwa 33 m lang, knapp 7 m breit und mit Tonziegeln gedeckt war. Als Sámos dann im frühen 6. Jh. zu einer der mächtigsten und reichsten Inseln der Ägäis aufstieg, wurde er als nicht mehr gut genug angesehen. Man engagierte die Architekten Rhoikos und Theodoros, die einen zwölfmal größeren Tempel von 105 m Länge und über 52 m Breite entwarfen. Nach zehn Jahren Bauzeit war er um 560 v. Chr. fertiggestellt. Seine Ringhalle, also der Kranz um das Mauerwerk der Cella, bestand aus einer Doppelreihe von 21 Säulen an den Längs- und acht bzw. zehn Säulen an den Breitseiten. Der Säulenwald dieses größten Tempels seiner Zeit muss wirklich beeindruckend gewesen sein. Der Tempel, dessen Gebälk und Dachstuhl aus Holz gearbeitet waren, brannte aber schon 30 Jahre nach seiner Erbauung völlig nieder. Zu der Zeit herrschte schon der Tyrann Polýkrates. Er ließ sich die Chance nicht entgehen, sich durch einen noch größeren Tempelbau ewigen Ruhm zu sichern. Sein Tempel sollte über 108 m lang und über 55 m breit werden, was in etwa der Grundfläche des Straßburger Münsters entspricht. 155 über 20 m hohe Säulen waren vorgesehen. Der Tempel wurde jedoch nie vollendet. Beim Rundgang werden Sie sicherlich zunächst zur Säule gehen. Von hier aus ist der Grundriss des Tempels gut zu erkennen. Östlich des Tempels sieht man dann ein Gewirr von Grundmauern. Sie gehören zu einer kleinen frühchristlichen Kirche, zu einem Tempel aus römischer Zeit und zum großen Hera-Altar, auf der der Göttin Tiere als Brandopfer dargebracht wurden. Hier steht wieder ein blau blühender Keuschlammstrauch, der auch Lykos-Baum genannte heilige Baum der Hera. Zum Hera-Heiligtum führte von der antiken Stadt Sámos aus eine heilige Straße. Ihr letztes Stück liegt im Bereich des Ausgrabungsgeländes. An seiner Nordseite standen verschiedene kleine Tempel, zu beiden Seiten Statuen und Weihegaben. An der Stelle, wo die berühmte Geneleos-Gruppe aufgestellt war, befindet sich heute eine Kopie; das Original ist im Archäologischen Museum von Vathý zu sehen. Di-So 8.30-15 Uhr, Eintritt 3 Euro, die Zufahrt von der Straße zum Ort Iréon aus ist ausgeschildert. 9 km von Pythagório...















