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Mit der TGM-Schnellbahn ist es eine halbe Stunde Fahrt von Tunis nach Karthago. Maurische Paläste hinter hohen Mauern, Palmen, die sich im Wind wiegen - nichts an Tunis' Villenvorort Carthage deutet darauf hin, dass man hier buchstäblich auf historischem Boden wandelt: 814 v. Chr. von Phöniziern gegründet, war Quart Haddash Hauptstadt des Punischen Reichs und Beherrscherin der Handelsrouten zwischen Sizilien und der Straße von Gibraltar, bis sie von den Römern 146 v. Chr. zerstört wurde. Im ersten vorchristlichen Jahrhundert von Caesar und Augustus wieder aufgebaut, glänzte die Stadt als Königin der römischen Kolonien in Nordafrika. Nach Roms Niedergang, der Plünderung durch Vandalen und Byzantiner und der Eroberung durch die Araber dienten ihre Tempel als Steinbruch für Moscheen und Paläste von Tunis. Die Archäologen blättern nun Schicht für Schicht Karthagos Geschichte neu auf. Sie beginnt am Tophet (Rue Hannibal, TGM-Station Salambô), jenem von Gustave Flaubert in seinem Karthagoroman »Salammbô« grausig geschilderten Ort, an dem Tausende Kinder dem blutgierigen Gott Baal Hammon geopfert worden sein sollen. Bis in 4 m Tiefe fanden Archäologen am Opferplatz Urnen und Grabstelen, darunter viele von Kindern. Der Byrsahügel (TGM-Station Dermech) war wahrscheinlich das Herz der punischen Stadt. Auf seiner Kuppe lüftet das Musée National de Carthage die Geheimnisse der punischen Kultur. Dass sie im Gegensatz zu den in Rom kursierenden Gerüchten über finstere Riten eine lebensfrohe und höchst verfeinerte war, bezeugen elegantes Geschirr, Skulpturen und Schmuck. Die im 2. Jh. von Kaiser Antoninus Pius errichteten Thermes d'Antonin (TGM-Station Hannibal) ein Stück weiter nördlich zwischen Hauptstraße und Meer zählten zu den größten und luxuriösesten Badetempeln der römischen Welt. Die aufgerichtete Säule des Frigidariums demonstriert mit stolzen 15 m Höhe, wie monumental diese Anlage gewesen sein muss. Nicht weit entfernt zeigt der Parc Archéologique des Villes Romaines am Beispiel mehrerer römischer Villen und der teilrekonstruierten Maison de la Volière, in welchem Luxus, umgeben von Mosaiken und einem im Patio sprudelnden Springbrunnen, wohlhabende Römer wohnten. Hier befindet sich auch das ebenfalls im 2. Jh. erbaute Theater, Veranstaltungsort des renommierten Festival de Carthage (Museum und Ausgrabungsstätten tgl. April 8-18, Mai-Sept. 8-19, Okt.-März 8.30-17.30 Uhr, Sammelticket 5,5 TND). Exklusives Design und Transparenz machen die Übernachtung im Hotel Villa Didon zu einem ganz besonderen, wenn auch kostspieligen Erlebnis. Auch das Restaurant wird hoch gelobt (10 Zi., Tel. 71 73 34 33, Fax 71 73 34 88, www.villadidon.com, €€€).
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