Die alte französische Kultur ist überall spürbar, doch Québec ist auch Teil des modernen Kanada
Schon entlang der Highways von Ontario über die Grenze nach Québec wird deutlich, dass hier eine andere Welt beginnt: Die Straßenschilder zeigen rues und sorties an.
In uralten Bauerndörfern scharen sich normannisch anmutende Häuser um überdimensionierte katholische Kirchen. Das lebensfrohe Montréal glänzt mit europäisch-südländischem Esprit, und die mittelalterlich wirkende Altstadt von Québec City wird sogar von einer Stadtmauer umkränzt. Québec, die größte Provinz Kanadas, ist eine sprachliche und kulturelle Bastion Frankreichs im britisch-puritanischen Nordamerika. Die Separatisten unter der Führung des Parti Québécois fordern sogar die Unabhängigkeit vom Bundesstaat. Nur so, glauben sie, könne der drohende Untergang der frankokanadischen Kultur gebannt werden. Wenn Sie also Französisch sprechen, umso besser, die patriotischen Québecer werden es Ihnen danken. Aber keine Angst, auch mit Englisch kommen Sie recht gut durch.
Der wichtigste Einwanderungskorridor Kanadas war seit jeher der St.-Lawrence-Strom. Auf den fruchtbaren Uferterrassen beiderseits des mächtigen Flusses siedelten bereits vor knapp 400 Jahren die Kolonisten der französischen Krone. Hier, in der Region von Montréal bis Québec City, leben heute rund 90 Prozent der 7,7 Mio. Québecer. Weiter östlich, auf der Halbinsel Gaspé und am Nordufer des St. Lawrence, wird die Besiedlung spärlicher. Dort entfaltet sich die landschaftliche Schönheit der „Belle Province“: Die umbrandeten, fast 200 m hohen Klippen im Parc national de Forillon und die bizarren Felssäulen des Mingan-Archipels zählen zu den eindrucksvollsten Naturschönheiten am Atlantik.
Der weite Norden der Provinz schließlich, immerhin rund vier Fünftel der gesamten Landfläche von 1,5 Mio. km², ist fast unbewohnt, besitzt aber größere Kupfer-, Zink- und Goldvorkommen. Eine seenübersäte Felslandschaft, von den Gletschern der Eiszeiten rund geschliffen, dehnt sich bis zur Hudson Bay und zur Ungava Bay am Polarmeer. Zumindest der Südteil dieser rauen Landschaft mit den waldreichen Laurentian Mountains ist aber touristisch gut zugänglich: Zahlreiche Naturparks laden zu Kanutouren ein, die gemütlichen, rustikalen Landgasthöfe und Lodges sind ideale Stützpunkte zum Wandern im Sommer und zum Langlaufen oder Motorschlittenfahren im schneereichen Winter....

