Die Venezianer nannten ihre südlichste Besitzung im Ionischen Meer »Fior di Levante«, Blume der Levante. Sie schätzten die Fruchtbarkeit der 406 km² großen Insel, ihre guten Weine, die liebliche Landschaft und die aristokratische Schönheit der Inselhauptstadt. Die Strände bedeuteten ihnen nichts.
Die Ausländer von heute kommen aber gerade der vielen guten Sandstrände wegen. Die schönsten, die an der Bucht von Laganás, werden zugleich jedoch schon seit Menschengedenken von Meeresschildkröten zur Eiablage aufgesucht. Daraus ist in den 80er-Jahren ein Interessenkonflikt erwachsen, der zum Teil sogar mit brutaler Gewalt ausgefochten wurde. Die einen wollten am Strand noch mehr Hotels, Apartments, Tavernen und Geschäfte errichten; die anderen wollten die gesamte Bucht zum Nationalpark erklärt wissen und riefen zum Touristenboykott der Insel auf. Herausgekommen ist schließlich ein Kompromiss. Die Bucht von Laganás wurde im Dezember 1999 zum Meeresnationalpark erklärt. Der Strand von Sekaniá an der Westseite der Skopós-Halbinsel darf überhaupt nicht betreten werden. Vor den anderen Stränden an der Westseite dürfen keine Boote fahren. In der übrigen Bucht von Laganás ist die Höchstgeschwindigkeit für Motorboote auf sechs oder acht Knoten beschränkt; im Dreieck zwischen Laganás, Límni Kerioú und dem Inselchen Marathonísi dürfen Boote weder ankern noch anlegen. An den Touristenstränden ist das Baden weiterhin gestattet; Informationsstände der Nationalparkverwaltung klären hier aber über das richtige Verhalten zum Wohl der Meeresschildkröten auf.
Ebenso attraktiv wie für die Schildkröten ist Zákinthos für Urlauber. Das Zentrum der Hauptstadt wirkt mit seinen großen und kleinen Plätzen sehr großzügig; die lang gestreckte Lage zwischen dem Meer und dem niedrigen Hügelzug von Bocháli sorgt dafür, dass der Ort nicht ausufern kann. Die bizarre Felsknolle auf dem Gipfel des 492 m hohen Skopós bildet einen markanten Fixpunkt am Horizont.
Die Insel ist klar gegliedert. Entlang der West- und Ostküste verläuft jeweils ein Hügelzug. Im Osten ist er grün und niedrig, im Westen steigt er bis auf 756 m Höhe an. Die breite Ebene dazwischen wird landwirtschaftlich intensiv genutzt, dort liegen die meisten Inseldörfer und dazwischen Landgüter, die mit ihren ansehnlichen Portalen und langen Zufahrten an die Toskana und Venetien erinnern.
Ganz im Gegensatz zur üppigen Fruchtbarkeit stehen große Areale des Berglands im Westen, in dem sich nur stellenweise Wälder oder Getreidefelder finden. Während die Ostküste großenteils von einem schmalen Strandstreifen gesäumt ist, fällt die Küste im Westen fast durchweg steil und steinig direkt ins Meer ab. Nur an einigen Stellen sind ihr fast noch unberührte Sandstrände wie der »Schiffswrackstrand« vorgelagert, die nur mit dem Boot erreicht werden können.
Die Zakinther gelten als besonders fröhliche Menschen. Sie feiern den Karneval intensiver als Bewohner anderer Ionischer Inseln - und sie singen auch noch häufiger. Ihre typischen Lieder sind die italienisch anmutenden kantádes, die nichts gemein haben mit der stark vom Orient beeinflussten Volksmusik auf den Ägäischen Inseln und der Festlandsgriechen. Kantádes kann man auch als Fremder kennen lernen: Im Sommer werden sie in einer Reihe von Tavernen an jedem Abend gesungen....
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