Eine Stadt zwischen gestern und morgen
Schon Mozart war von der Vielfalt Prags beeindruckt. „Ich fahre jeden Tag den gleichen Weg nach Hause und sehe doch immer wieder etwas Neues“, sagte er 1791. Diese Erkenntnis ist noch heute gültig: Besucher und Einheimische staunen gleichermaßen über den Glanz renovierter Fassaden, wo zuvor monatelang Gerüste standen.
Und selbst dort, wo die Renovierung schon lange abgeschlossen ist, ändert sich ständig etwas - vor allem im Zentrum. Wo vor einem Jahr noch eine Bäckerei war, ist jetzt vielleicht eine Boutique, ein Friseursalon hat sich in ein modernes Café verwandelt, und die Kneipe um die Ecke hat einem Buchgeschäft Platz gemacht. Prag ist auch knapp zwei Jahrzehnte nach der demokratischen Wende in permanenter Bewegung. Nicht geändert hat sich dagegen die wunderschöne Anlage des historischen Stadtkerns links und rechts der Moldau. Im Krieg blieb Prag von Bombenangriffen weitgehend verschont. So lässt sich die Schwärmerei eines anderen Prag-Reisenden - Thomas Mann - noch heute gut nachvollziehen: „Ich bin froh, wieder einmal hier zu sein, in dieser Stadt, deren architektonischer Zauber fast einzigartig unter allen Städten der Welt ist.“
Millionen Touristen aus aller Welt hat die Prag-Faszination in den vergangenen Jahren ebenfalls gepackt - Rucksackreisende und Pauschaltouristen, Schüler auf Klassenfahrt und Studienreisende. Eine echte Nebensaison gibt es nicht, auch im Winter hat man die Karlsbrücke fast nie für sich allein. Wer das berühmte Bauwerk dennoch in Ruhe genießen möchte, sollte frühmorgens oder aber am späten Nachmittag kommen. Das Gleiche gilt auch für das zweite Wahrzeichen der Stadt, die Prager Burg. Außerdem lohnt es sich, vom ausgetretenen Pfad des Königswegs (vom Pulverturm bis hoch zur Burg) abzubiegen, um die Atmosphäre des umliegenden Gassengewirrs ohne Touristenrummel genießen zu können.
Wem der Gang durch das „Museum unter freiem Himmel“ nicht reicht, dem stehen zahlreiche echte Museen offen - bis auf montags, denn an diesem Tag bleiben die meisten Ausstellungsräume geschlossen. Die Eintrittspreise liegen bei fast allen Häusern deutlich niedriger als in anderen Ländern. Dies ist nicht als Liebesbeweis an die Touristen zu verstehen, sondern als Rücksicht auf die kulturinteressierten, aber noch nicht auf Westniveau verdienenden Tschechen. Einige Museen bieten die Erklärungstexte zu den Kunstwerken leider nur in tschechischer Sprache an. In solchen Fällen lohnt sich die Begleitung durch einen Fremdenführer des Prager Informationsdienstes PIS (Staromestské námestí 1 | Tel. 236002569 | guides@pis.cz) oder anderer Organisationen.