Bevor Tokio und Kyoto, Nara gab es, der als Japans Hauptstadt im 8. Jahrhundert.
Wo wird man noch von leibhaftigen Götterboten begrüßt? In stolzer Haltung schreiten sie auf jeden Ankömmling zu, reiben die Köpfe zutraulich an deren Körper, interessieren sich für mitgebrachte Taschen und betteln um Nahrung.
Rund 1200 zahme Rehe und Hirsche durchstreifen den Stadtpark der Kaisermetropole Nara. In vorbuddhistischer Zeit galten die Tiere als „Abgesandte des Himmels“, durften bei Androhung der Todesstrafe nicht gejagt werden. Heute gelten sie als „lebender Nationalschatz“.
Die erste ständige Hauptstadt Japans wäre auf Grund ihrer guten klimatischen Lage wohl lange Tenno-Residenz geblieben, wenn es die Mönche nicht so toll getrieben hätten. Nachdem der Priester Dokyo eine Kaiserin verführte und damit beinahe auch noch den Thron an sich gerissen hätte, beschloss der Hof, sich dem wachsenden Einfluss des Klerus zu entziehen, und gründete als neue Residenz das rund 50 km entfernte Kyoto. Somit währte die Nara-Ära nur 75 Jahre.
Damals allerdings wurde unter chinesischem Einfluss der Grundstein für eine eigenständige japanische Kultur gelegt. Der Buddhismus stieg zur Landesreligion auf und bestimmte seither das gesellschaftliche und künstlerische Leben maßgeblich mit - noch heute sichtbar an Bauten und Bildnissen.
Die am nördlichen Ende des fruchtbaren Yamato-Tals gelegene Stadt (370000 Ew.) beherbergt im östlichen Stadtteil Nara-koen (Nara-Park), acht von der Unesco als Welterbe anerkannte Stätten. Nara bereitet sich mit umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten auf seine 1300 Jahrfeier 2010 vor. Deshalb sind einige Kulturschätze zeitweise nicht zugänglich.


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