Am Ende der Welt. Der Osten ist weniger erschlossen und auch ärmlicher als der Rest der Insel
Pointe Quatre Cocos heißt der östlichste Punkt der Insel, er gilt bei den Einheimischen als das Ende der Welt. Sie benutzen den Namen sogar in einer Redensart, wenn sie auf die Einfältigkeit einer Person hinweisen wollen: »Il vient de Quatre Cocos« - »Er kommt von Quatre Cocos.«
Es ist eine ärmliche Gegend, in der die Bewohner vom Fischfang und von der Landwirtschaft leben, vor allem vom Zuckerrohranbau, dessen Geschichte hier bis in die Zeit der Holländer zurückreicht. Diese ersten Siedler hatten sich in dem hügellosen Flachland - »Flacq« - niedergelassen und schon früh Felder angelegt. Doch obwohl noch heute die größte Zuckerfabrik der Insel im Osten steht, bringt die Monokultur den wenigsten Bewohnern ein sorgloses Leben. Wenn Frauen hier in den Bächen ihre Wäsche waschen und zum Trocknen über Büsche hängen, mag die Szenerie den vorbeifahrenden Urlaubern wie ein Idyll erscheinen, ist aber letztlich nur Ausdruck eines Mangels. Die Dörfer des Ostens sind klein und unscheinbar, die wenigen Städte bieten ein eher trostloses Bild. Die Menschen sind traditionsbewusst. Anders als in den Städten der Westküste, wo längst europäische Mode das Straßenbild bestimmt, tragen viele Frauen hier einen Sari, immer in leuchtenden Farben und oft aus wertvollen Materialien.
Dass der Osten eine eigene Welt ist, spürt man auch am Wetter. Immer weht eine leichte Brise über das Land und den Küstensaum, was das Meer hier zu einem Dorado für Windsurfer und Segler macht. Merklich kühler als auf der Westseite wird es nur abends zwischen Juni und September, dann kann ein Pullover nützlich sein. Die Landschaft des Ostens wird von der Bergkette Montagne Bambous durchzogen, einer dicht bewachsenen Wildnis, die im Osten bis ans Meer reicht. Die Straße folgt hier dem kurvigen Verlauf der steinigen Küste. An der Südküste gibt es keine Badestrände, da hier der Riffgürtel um Mauritius unterbrochen ist.
Der Osten wird touristisch immer mehr erschlossen. An den Stränden entstanden große Luxushotels, an den Wochenenden aber kommen immer noch Einheimische hierher. Dann herrscht reger Trubel, werden Picknickkörbe ausgepackt, und es erklingen Séga- und Reggae-Rhythmen aus dem Ghettoblaster.



