Bei Dichtern, Sonnenanbetern und Schnapsbrennern
Geduckte Lehmziegelhäuser in Ocker und Rot, spitze Kirchtürme zwischen Papayaplantagen, Weinfelder, die an den Kakteenhängen immer weiter nach oben drängen, ringsum kahle Wüstenberge: Im Valle del Elqui wird wie im Bilderbuch illustriert, wie Menschen seit Jahrtausenden versucht haben, sich in der Wüste zu behaupten. Das Elqui-Tal wurde bereits in vorchristlicher Zeit von den Diaguita besiedelt, die ein effizientes Anbausystem mit Terrassen und Bewässerungskanälen entwickelten. Erhalten geblieben sind ihre schönen Keramikarbeiten, die man u. a. im Gabriela-Mistral-Museum in Montegrande besichtigen kann (100 km von La Serena entfernt). In Montegrande liegt auch das Grab von Gabriela Mistral (1889 bis 1957), der mit dem Nobelpreis gekrönten Dichterin, die ihr Heimattal in Poesie gegossen hat. Geboren wurde sie in Vicuña, dem Hauptort des Tals (km 62). Ihr Geburtshaus ist heute Museum (Di-Sa 9-13 und 15-19, So 10-13 Uhr). Wenige Meter weiter bietet die Casa Madariaga, ein original erhaltener Familiensitz im Kolonialstil, Einblick in die Lebensweise im 19. Jh. (tgl. 11-13 und 15-17 Uhr). Seinen Ruhm verdankt das Valle del Elqui allerdings weniger den Dichterversen als ganz handfesten Genüssen: Die hier angebauten Weintrauben werden zu Pisco gebrannt, dem chilenischen Nationalschnaps. Mehrere Destillerien im Tal stehen Besuchern offen; lohnender sind eher die kleinen, rustikalen Anlagen wie Tres R im Dorf Pisco Elqui (Mo-So 10.30-19 Uhr). Von Montegrande führt das geheimnisvolle Valle de Cochiguaz ab, ein Tal, in dem sich zahlreiche Esoteriker, Sonnenanbeter und UFO-Gläubige niedergelassen haben. Wer die Ankunft einer fliegenden Untertasse abwarten will, dem sei in Pisco Elqui das gepflegte Bungalow- Hotel von Maren Majewski empfohlen, mit vegetarischem Restaurant, Schwimmbad und spirituellen Sitzungen (El Tesoro de Elqui, Tel. 51/45 10 69, http://www.tesoroelqui.cl, €€).

