Im Reich des Pelikans - Sonne, Wellen, Strand und eine atemberaubende Natur sind die Attraktionen der 245 km langen Schwarzmeerküste Rumäniens.
Sonne, Wellen, Strand und eine atemberaubende Natur sind die Attraktionen der 245 km langen Schwarzmeerküste Rumäniens. Sie teilt sich in zwei Abschnitte, die gegensätzlicher nicht sein könnten: das quirlige Badegebiet im Süden und das abenteuerliche Naturparadies Donaudelta im Norden.
Die Rumänen haben die Küste jahrhundertelang eher gemieden. Denn das Meer bedeutete Gefahr. Von hier kamen die Feinde und Eroberer. Griechen und Römer besiedelten die Küste vom 5. Jh. an und trieben von hier aus Handel. Ihre Spuren sind auf Ruinenfeldern zwischen Constanţa und der bulgarischen Grenze zu sehen. Später nahmen Byzantiner, Genueser, Slawen, Türken und Tataren die Küste in Besitz, während die Rumänen sich ins Landesinnere zurückzogen. Im 17. Jh. wanderten Russen ein. Sie nennen sich »lipoveni« und haben bis heute ihre eigene Kultur bewahrt.
An der Ferienküste, die sich schnurgerade von der Hafenstadt Constanţa rund 50 km nach Süden bis zur bulgarischen Grenze erstreckt, verbringen die meisten Rumänen ihren Badeurlaub in kleinen Kurorten - nicht jedermanns Sache, denn der Service lässt zu wünschen übrig. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurden hier massiv große Hotelanlagen gebaut, die in neuem Zustand viele Pauschaltouristen aus Westeuropa anzogen. Die Zeiten sind vorbei, der Großteil der Hotels ist inzwischen heruntergekommen. An den Stränden herrscht dauernde Musikbeschallung, die bis weit aufs Meer hinaus dringt. Junge Leute wissen die Dauerpartys am Meer allerdings zu schätzen. Ihre Hochburgen sind Costineşti sowie die Dörfer Vama Veche und Doi Mai an der bulgarischen Grenze, wo sich vor allem die Bukarester Boheme trifft.
Das Donaudelta hingegen ist Mekka der Naturfreunde und Abenteuerurlauber. Träge ergießt sich hier der große Fluss nach seinem 2840 km langen Lauf ins Schwarze Meer. Bei Tulcea teilt sich der Fluss in die drei Hauptarme: Chilia im Norden, Sulina in der Mitte und Sfântu Gheorghe im Süden. Dazwischen liegt ein Labyrinth aus Kanälen, Seen, Sümpfen, Schilfdickicht und Wäldern. 80 Prozent des gesamten Deltagebiets von 4500 km² bestehen aus Wasser. Auf etwa 100 000 schwimmenden Inseln aus Schilf hausen die europaweit einzigen Pelikane. Außerdem leben hier Wildschweine, Füchse, Bisamratten, Reiher und Kormorane. Insgesamt sind es sage und schreibe 1688 Pflanzen- und 3864 Tierarten, davon rund 300 Vogel- und 160 Fischsorten. Mit ihnen teilen sich gerade mal 14 500 Menschen dieses Paradies. Sie leben vom Fischfang und von der Schilfernte und wohnen verstreut in Dörfern entlang der Kanäle oder auf Inseln mitten im Sumpf.
Der Donauarm Sulina ist die wichtigste Verkehrsader, denn Chilia und Sfântu Gheorghe haben für große Schiffe zu viele Windungen. Für Touren ins Delta reist man am besten zunächst nach Tulcea und wendet sich gleich an die Verwaltung des Biosphärenreservats (ARBDD) direkt am Hafen. Dort erfahren Besucher, welche Naturschutzzonen im Delta gelten. In manchen darf man Motorboote benutzen, in den besonders streng geschützten nur Ruderboote, in anderen wiederum ist der Zugang vollkommen gesperrt, weil dort seltene Vögel brüten. Die ARBDD erteilt auch Genehmigungen zum Angeln. Am Hafen kann man Boote samt Fahrer wie Taxis mieten. Ab Tulcea fahren regelmäßige Linienschnellboote zu den wichtigsten Orten im Delta, bisweilen aber nur ein- oder zweimal pro Tag, sodass man vorher planen muss, wie lange man sich im Delta aufhalten will. Am besten ist es, an einer der Touren teilzunehmen, die fast alle Hotels im Delta organisieren. Ausflüge ohne ortskundige Begleitung können gefährlich werden, denn die Landschaft verändert sich wegen der schwimmenden Inseln ständig. Außerdem wissen die ortskundigen Begleiter, wo und wann man die Tiere beobachten kann. Ins Gepäck gehören unbedingt Insektenschutzmittel, denn in dem Sumpfgebiet kreucht und fleucht es gewaltig....


