Eine Reise ins Mittelalter
Siebenbürgen - das klingt wie »hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen«. Doch das Land gibt es wirklich. Siedler von Rhein und Mosel, die vom 12. Jh. an einwanderten, nannten das waldreiche Hochland im Karpatenbogen Siebenbürgen. Sein Name leitet sich her von den Burgen, die Ritter und Bauern hier bauten. Die Nachfahren der Einwanderer, etwa 700 000 Siebenbürger Sachsen, lebten dort bis zur Machtübernahme der Kommunisten 1947. Danach wanderten sie massiv nach Deutschland aus - getrieben von Mangelwirtschaft und Diktatur.
Siebenbürgen, das Banat, die Maramureş und die Apuseni haben eine gemeinsame Geschichte, die sie vom restlichen Rumänien trennt. Diese Regionen gehörten zum österreichisch-ungarischen Imperium, bis es 1918 nach dem Ersten Weltkrieg zerbrach. Ende des 9. Jhs. eroberten die Ungarn die Region, die damals lateinisch Transsilvania (»Land hinter den Wäldern«) genannt wurde. Auch der ungarische Name Erdély (»Waldland«) erweist den Bäumen Reverenz, wenn auch inzwischen durch Abholzen mehr als nur eine kahle Stelle im Naturparadies entstand.
Ungarnkönig Géza (1141-1162) ließ deutsche Ritter zum Schutz gegen die Türken, die das Land von Osten her erobern wollten, einwandern. Die Ritter und später auch die Bauern bauten Burgen, die heute noch wie unwirkliche Filmkulissen in den Hügeln auftauchen. Siebenbürgen war etwa 1000 Jahre lang ein multinationaler Flickenteppich. Zunächst bildeten Ungarn und Deutsche die herrschende Schicht. Die Rumänen behaupteten sich vom 16. Jh. an, als sie sich auch in den Städten niederließen. Jetzt leben dort noch etwa 1,5 Mio. Ungarn und ein paar Zehntausend Sachsen als Minderheiten.
Phantasiebegabte Reisende finden in Siebenbürgen auch Spuren des Draculamythos. In jedem Fall ist ein Besuch der verträumten mittelalterlichen Dornröschenstädte der Sachsen und eine Tour zu den spektakulären Kirchenburgen eine faszinierende Reise in die Vergangenheit. Viele Architekturschätze sind vom Zerfall bedroht. Prominentester Förderer ist der britische Thronfolger Charles, der sich über eine Stiftung für die Sanierung einsetzt.
