Praga galt über Jahrzehnte als eine ziemlich verruchte Ecke. Berüchtigte Jugendgangs hatten hier Bezirke abgesteckt und Kleinkriminelle trieben ihr Handwerk.
Das hat sich inzwischen allerdings grundlegend geändert, denn Praga gilt als das neue In-Viertel und lockt mit seinem leicht morbiden und gleichzeitig alternativen Charme Künstler und Intellektuelle aus ganz Polen an. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Wodkafabrik Koneser (ul. Ząbowska 27/31), in der nicht nur das polnische Nationalgetränk destilliert wird, sondern Ateliers und Kunstausstellungen untergebracht sind. In der Fabryka Trzciny treten hochkarätige Musiker auf. Der Stadtteil hat sein ursprüngliches Gesicht bewahrt, weil auf dieser Seite der Weichsel im Zweiten Weltkrieg die meisten Häuser unzerstört geblieben sind. Die sowjetischen Truppen hatten sich bis hierher vorgekämpft und sahen dann tatenlos zu, wie deutsche Einheiten im Kampf gegen die aufständischen Polen die Stadtviertel am anderen Ufer zerstörten. Ein interessanter Spaziergang führt die Ząbowskaja- und die Brzeska-Straße entlang. Hier finden sich sowohl frisch renovierte Fassaden mit Kneipen und Lokalen, als auch noch der Charakter des alten Praga: bröckelnde Fassaden und gusseiserne Balkone, die im Sommer oft mit Geranien zugewachsen sind. In den nächsten Jahren steht dem Stadtteil allerdings eine grundlegende Erneuerung an. Für die Fußballeuropameisterschaft 2012, die in Polen und der Ukraine ausgetragen wird, wird auf dem Gelände des Stadion Dziesięciolecia, des Stadions zum zehnten Jahrestag der Gründung der Republik Polen, eine neue, hochmoderne Arena mit Hotels und Konferenzhallen gebaut. Auch der gesamte Uferbereich an der Weichsel soll ein neues Gesicht bekommen.
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