Dass Wein eine ganz besondere Rolle spielt, ist in Maribor (116 000 Ew.) so richtig zu riechen, denn aus dem größten unterirdischen Weinkeller Europas steigen beständig fein säuerliche Duftschwaden über den großen Platz vor dem Stadtschloss. Zu sehen ist der Wein übrigens auch, denn hinter den Wohnblocks an der nördlichen Peripherie, am Fuß der Stadthügel Kalvarija und Piramida, ziehen die Bewohner auf kleinen Gartenparzellen zwischen Kartoffeln und Kopfsalat auch Reben.
Maribors wirtschaftlicher Aufstieg kam mit dem Bau der Straße (1729) und knapp hundert Jahre später der Eisenbahn nach Wien bzw. Triest. Handels- und Industriestadt war Maribor auch im sozialistischen Jugoslawien - ökonomisch bedeutend, aber nie wirklich geliebt, denn die kulturelle wie sprachliche Nähe zu Österreich war damals nicht gerne gesehen. Zudem hatte Maribor den deutschen Einmarsch freudig begrüßt, was die Befreier nicht vergaßen.
Die slowenische Unabhängigkeit hat die Mariborer Industrie ihrer alten Märkte und damit auch vieler Arbeitsplätze beraubt. Fabrikruinen bereiten dem von Norden Anreisenden einen tristen Empfang. Im Zentrum um das Stadtschloss und an der Lent entlang der Drava jedoch präsentiert sich Maribor als kleine, fröhliche Schwester des nahen Graz. Für Aufsehen sorgt immer wieder Maribors vitale Kulturszene. Am kleinen Stadttheater machte der heute international arbeitende Regisseur Tomaž Pandur seine ersten, radikalen Inszenierungen, und im Bürgerhaus Narodni dom erfand eine Gruppe junger Leute das Festival an der »Lent«. Dieses Kneipenviertel gehört zu den lebhaftesten Unterhaltungsmeilen Sloweniens und zieht besonders an lauen Sommerabenden Jung und Alt an die Drava.
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