Die Anlage dieses Stadtviertels war eines der größten urbanistischen Projekte des Mittelalters - und wie so vieles in Prag geht es auf deutschen Kaiser und böhmischen König Karl IV. zurück.
Er wollte Prag zur Hauptstadt seines Reiches ausbauen. Eines der wichtigsten Vorhaben auf dem Weg dorthin war die Gründung eines ganz neuen Stadtviertels. 1348 ließ er ein etwa 2 km² großes Areal rund um die Altstadt von einer Mauer umfassen - die Geburtsstunde der Neustadt. Karl IV. kümmerte sich auch um die Details: Er legte die Höhe der Häuser fest und gab den Verlauf der Wege vor. „Damit mindestens zwei Gespanne nebeneinander passen“, wurden Straßen mit einer Breite von bis zu 25 m gebaut. Er ordnete außerdem an, „Lärm und Dreck verursachende Gewerbe“ wie Gerbereien, Schreinereien oder Schmieden von der Alt- in die Neustadt zu verlagern. Zentrum des handwerklichen Treibens wurden drei mächtige Plätze: der Viehmarkt (Karlovo náměstí), der Heumarkt (Senovažné náměstí) und der Rossmarkt, der unter seinem späteren Namen Wenzelsplatz (Václavské náměstí) zum wohl bekanntesten Prager Platz wurde.
Sicher: In Prag gibt es weitaus schönere Orte als den Václavák, wie ihn die Tschechen nennen. Ein wenig schmuddelig, abgehalftert und alles andere als ein Weltstadt-Boulevard - dennoch ist der Wenzelsplatz bis heute der Ort geblieben, an den es die Nation in entscheidenden Momenten magisch hinzieht. Als 1968 die Truppen des Warschauer Pakts den Prager Frühling brutal niederschlugen, gingen die erschütternden Bilder vom Wenzelsplatz um die ganze Welt. In den 1980er-Jahren ließ Innenminister Lubomír Strougal in der Mitte des Platzes einen Grünstreifen anlegen, um so Demonstrationen zu verhindern. Doch wenige Jahre später konzentrierte sich der Protest gegen das kommunistische Regime wieder hier. Als Václav Havel im November 1989 vom Balkon des Verlagshauses Melantrich zu tausenden Demonstranten sprach, war die demokratische Wende nicht mehr aufzuhalten.
Die Neustadt ist zwar nicht so pittoresk wie Altstadt oder Kleinseite, aber dafür sehr quirlig. Der historische Graben zwischen Alt- und Neustadt ist heute Prags zentrale Einkaufsmeile (Na příkopě). Außerdem gibt es in der Neustadt zahlreiche Museen, Theater und Musikklubs. Auch Architekturinteressierte kommen auf ihre Kosten: Kubismus (unterhalb des Vyšehrad) und Moderne (F. O. Gehrys Tanzendes Haus) finden sich hier genauso wie Renommierbauten des 19. Jhs.: das Nationalmuseum und das Nationaltheater....
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