Der Hradschin ist das größte zusammenhängende Burgareal der Welt, dennoch ist er an manchen Tagen zu klein für die vielen Besucher.
Über 1 Mio. Touristen strömen Jahr für Jahr durch den imposanten Komplex, der auf einem etwa 70 m hohen Hügel über der Stadt thront. Einst Residenz böhmischer Fürsten und Könige ist der Hradschin seit 1918 Sitz des Staatspräsidenten.
Sein heutiges Erscheinungsbild geht im Wesentlichen auf die Herrschaftsepoche von Kaiserin Maria Theresia zurück, die in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. eine Renovierung veranlasste. Erste Spuren einer Burganlage stammen aber schon aus dem 9. Jh. Im Lauf der Jahrhunderte kamen neue Wehranlagen, Paläste, Kirchen und Verwaltungsgebäude hinzu, brannten ab und wurden wieder aufgebaut. Heute zählt der Hradschin mit seinen drei Burghöfen rund 60 Gebäude. Seine erste Glanzzeit erlebte die Burg unter Kaiser Karl IV. (1316-78), der unter anderem 1344 den Grundstein für den St.-Veits-Dom legen ließ. Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Rudolf II. (1576 bis 1612). Er versammelte bedeutende Wissenschaftler, Künstler und Alchimisten um sich und legte riesige Sammlungen an.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 regte Präsident Tomáš Garrigue Masaryk eine „künstlerische Veredelung“ seines Amtssitzes an. Die Aufgabe übernahm der slowenische Architekt Jože Plečnik. Auch Präsident Václav Havel wollte nach der Wende visuelle Aktzente auf der Burg setzen. Auf seinen Wunsch entwarf Oscar-Preisträger Theodor Píštěk, der Kostümbildner von Miloš Formans berühmtem „Amadeus“-Film, 1990 neue Uniformen für die Burgwache. Teile des Burginterieurs sowie die mit Kupfer verzierten Eingangsportale zur Präsidentenkanzlei im zweiten Burghof ließ Havel seinen Freund, den Glaskünstler und Designer Bořek Šípek, neu gestalten.
Wer das Burgareal besichtigt, sollte unbedingt auch einen Spaziergang durch das umliegende Viertel machen. Hradčany, die Burgvorstadt, wurde 1320 gegründet. Karl IV. erweiterte das Viertel um das für seine wertvolle Bibliothek berühmte Strahov-Kloster, Teile des Petřín-Hügels und den Ort Pohořelec. Abseits der Touristenströme lohnt es sich, durch die schmucken Gässchen der Neuen Welt (Nový Svět) zu schlendern. In den kleinen Häuschen wohnten einst Künstler und Intellektuelle - der niedrigen Mieten wegen. Heute sind die Gebäude renoviert, die Mieten hoch, aber noch immer hat dieser Winkel von Hradčany ein besonders romantisches Flair....
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