Die Altstadt gehörte schon immer zu den vitalsten Vierteln Prags. Seit dem 10. Jh., als sich hier die ersten Handwerker, Kaufleute und Kolonialwarenhändler niederließen, bedeutete Wandel für das Viertel Normalität.
Das spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Baustilen wider, die man rund um den Altstädter Ring finden kann. Als dem Gebiet 1230 von König Wenzel I. das Stadtrecht erteilt wurde, baute man noch überwiegend im romanischen Stil. Später kamen gotische Häuser dazu. Nachdem das Viertel häufig von Überschwemmungen heimgesucht worden war, ließen viele Anwohner ihre Häuser aufstocken - im barocken Stil. Das kann man heute noch besonders gut in der Husova und der Celetná sehen. Dort haben sich Weinstuben und Restaurants in jenen Kellern etabliert, die ursprünglich einmal als Erdgeschoss konzipiert gewesen waren.
Große Veränderungen erlebte auch das Jüdische Viertel nördlich des Altstädter Rings. Im 13. Jh. wurden die Prager Juden durch einen Erlass gezwungen, in ein genau abgegrenztes Viertel am rechten Moldauufer zu ziehen - die spätere Josefstadt. Mit dem Bau von eigenen Schulen, Synagogen und Wohnhäusern wuchs die Siedlung schnell. Ihre Bewohner wurden allerdings oft Opfer von Pogromen. Beim schlimmsten Übergriff an Ostern 1389 starben mehr als 3000 Juden. Unter Kaiser Rudolf II. (1576-1612) prosperierte das Viertel, denn das tolerante Oberhaupt pflegte enge Kontakte mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Mordechaj Maisel ernannte er gar zum Finanzminister - nicht ohne Hintergedanken: Der jüdische Bankier lieh dem kunstverrückten Herrscher nennenswerte Summen für seine Sammlungen.
Erst 1848 erhielten die Juden Bürgerrechte und durften außerhalb der Josefstadt wohnen. Gewissermaßen war dies das Todesurteil für das Viertel: Nachdem viele wohlhabende Familien weggezogen waren, verfiel das Getto zusehends. Ende des 19. Jhs. entschied sich die Verwaltung dann für eine radikale Sanierung der Judenstadt und den Bau einer modernen Stadt à la Paris. Alte Häuser wurden abgerissen und ersetzt. Prunkstück des neu gestalteten Viertels wurde die Pařížská (Pariser Straße) mit ihren Jugendstilhäusern. Von der alten Josefstadt überstanden nur wenige Bauten, der Alte Friedhof, das Rathaus und sechs Synagogen die „Sanierung“. Im Zweiten Weltkrieg wurde das soziale Gefüge der Gemeinde dann von den deutschen Besatzern völlig zerstört, die meisten Bewohner ermordet. Einzig die Bauwerke blieben verschont, da die Nationalsozialisten in Prag ein „Museum der ausgestorbenen Rasse“ errichten wollten.
Heute zählt die jüdische Gemeinde in Tschechiens Hauptstadt etwa 1600 Mitglieder, von denen viele aus den USA, Russland oder Israel nach der Wende zugezogen sind....
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