Die Metropole und ihre Satelliten. Die Göttin Prag duldet wieder andere Stadtgöttinnen neben sich.
Wie eine fette Spinne hockt Prag im Zentrum Mittelböhmens und streckt die Beine (die Straßen) nach Kolín im Osten, Mladá Boleslav im Nordosten, Mělník im Norden, Kladno im Westen, Příbram im Südwesten und Benešov im Südosten aus. Der nach Westen offene Moldaubogen hat zum Aufbau von Steilhängen geführt, auf einem davon thront die mächtige Burganlage des Hradschin und demonstriert so die überragende Stellung der Hauptstadt - von Kritikern auch Pragozentrismus genannt. Nach wie vor fällt es der Zentrale nicht leicht, Kompetenzen abzugeben. Der Region Mittelböhmen täte man jedoch Unrecht, wenn man sie nur als Umland Prags wahrnähme. Südlich der Hauptstadt schwillt die Moldau durch die Zuflüsse von Berounka und Sázava zu einem stolzen Strom an, ehe sie selbst unterhalb von Schloss Mělník in die Elbe mündet. Die beiden südlichen Nebenflüsse durchqueren reizvolle Landschaftsschutzgebiete (Křivoklátsko, Český kras), die den Pragern als beliebte Naherholungsgebiete dienen. Dass in dieser Region auch die prachtvollsten Schlösser und Burgen des Landes angesiedelt sind, erklärt sich aus der Nähe zum Königssitz auf dem Hradschin. Was den Herrschern damals ihre Schatzkammer auf Burg Karlštejn war, ist den Regierenden von heute der Autobauer Škoda. Mit ihrem Aushängeschild »Oktavia« schafften die Konstrukteure in Mladá Boleslav in Kooperation mit der Konzernmutter VW den Sprung auf die westlichen Märkte.


