Vom Ionischen Meer zur Ägäis
Mittelgriechenland (neugriechisch: Stérea Elláda) bildet zusammen mit dem Peloponnes das griechische Kernland, auch in historischer Sicht. Es reicht von Attika mit Athen als Zentrum und der Insel Euböa über Böotien mit dem berühmten Theben bis hin in die Phokis mit Delphi, dem großen panhellenischen Heiligtum.
Nur im äußersten Westen und Nordwesten werden drei Landschaften zu Mittelgriechenland gezählt, die in der Antike keine große Rolle spielen. Ätolien und Akarnanien waren von Griechen bewohnt, die einen sonst nur schwer verständlichen Dialekt sprachen und sich zudem mit den Illyrern vermischt hatten. Erst seit dem 5. Jh. v. Chr. kamen auch sie in den Einflussbereich der griechischen Hochkultur. Evritanien schließlich war die ganze Antike hindurch ein kaum zugängliches Bergland, das vor allem Hirten bewohnten. Auch heute noch ist Evritanía der am schlechtesten erschlossene Regierungsbezirk Griechenlands. Die Straßen sind unzulänglich, Bahn- und Flugverbindungen fehlen.
>Zwischen Delphi und Attika aber ist Mittelgriechenland zusammen mit dem Peloponnes das Gebiet schlechthin für die klassische Bildungsreise. Auch Erinnerungen an den langen Kampf gegen das Osmanische Reich fehlen nicht: Náfpaktos gab 1571 einer bedeutenden Seeschlacht zwischen Türken und abendländischen Christen den Namen; Mesolóngi gilt den Griechen wegen seiner heldenhaften Verteidigung gegen die Türken 1826 als heilige Stadt.
Die Landschaft Mittelgriechenlands ist geprägt vom ständigen Wechsel. Die meisten Küsten säumen nicht das offene Meer, sondern liegen hohen Bergen gegenüber. Je nach Sicht liegen diese zum Greifen nah oder weit entfernt im Dunst, vom Betrachter getrennt durch den Korinthischen, den Saronischen oder den Euböischen Golf. Im Westen, am Ionischen Meer, sind dem Festland einige bewohnte und eine Menge unbewohnter Inseln vorgelagert. Im Südwesten prägen Lagunen die Küstenlandschaft, sonst überwiegt Steilküste. Strände gibt es vor allem rings um Attika und am Euböischen Golf, doch liegen sie entweder zu nah an Athen oder sind zu unansehnlich, um ausländische Touristen in großer Zahl anlocken zu können.
Der überwiegende Teil Mittelgriechenlands ist gebirgig. Die höchsten Gipfel steigen über 2500 m hoch an. In den Ebenen im Westen sowie bei Lamía und Livadiá wird Baumwolle angebaut, bei Lamía auch Reis. In den Hügelländern Akarnaniens wächst Tabak, Attika ist für seinen Wein bekannt, der - mit Harz versetzt - zu Retsína wird. Die Ebene von Amfíssa bei Delphi gleicht schon seit der Antike einem großen See aus Hunderttausenden silbrig schimmernden Olivenbäumen....


